Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf. "Es war einst ein König, mächtig und groß, den ließ seine Furcht vor dem Tod nicht mehr los." Der König grübelte lange darüber nach, warum wir sterben müssen. Keiner der Gelehrten wusste eine Antwort. Doch dann hatte er eine glänzende Idee. Als der Tod kommt, um einen alten, kranken Mann zu holen, lässt der König ihn in einen gläsernen Käfig sperren, so dass er niemanden mehr mitnehmen kann. Das Volk ist glücklich und feiert ausgelassen. Das Fest will kein Ende nehmen, aber schließlich schlägt die anfängliche Begeisterung um. Und auch der Platz wird immer knapper, da weiter Kinder geboren werden, aber niemand mehr stirbt. Da hilft nur eines: Der Tod muss wieder befreit werden.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 08.10.2009
Rezensent Thomas Assheuer hat in dieser "Ballade vom Tod", in der der Löwenkönig in Todesangst verfällt, eine sehr originelle, wenngleich auch erschreckende Antwort auf die Frage gefunden, warum es den Tod gibt. Ohne Federlesen und religiöse Rücksichten macht sich der niederländische Autor Koos Meinderts daran, die Frage für Kinder ganz pragmatisch zu beantworten, stellt der Rezensent durchaus beeindruckt fest. Auch von der prallen Lebendigkeit der Zeichnungen Piet Groblers schwärmt Assheuer in den höchsten Tönen. Aber vor dem "eiskalten Funktionalismus" eines Hasentodesengels im Krankenschwesterlook, der die Unsterblichkeit abschafft und damit Platz für Nachgeborene geschaffen wird, gruselt es ihm doch. Ist das etwa die nachchristliche Antwort auf die Fragen nach Tod und Sterben?
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