Herausgegeben von Marco Althaus und Dominik Meier. Will Politik beraten sein? Ja, aber nicht immer, nicht überall und nicht durch jeden, der Politikberatung professionell oder als Wissenschaftler anbietet. In der Berliner Republik hat sich die Nachfrage nach Politikberatung gewandelt. Ein klares Indiz hierfür ist die wachsende privatwirtschaftliche Politikberatung. Der Anspruch lautet heute: Zum einen zwischen Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit zu vermitteln; zum anderen die Brücke zwischen Wissenschaft und politischer Praxis zu schlagen. Die deutsche Politikberaterszene sucht international nach Orientierungspunkten und ein neues Selbstverständnis, auch als Profession. Zur Professionalisierung gehört, angeheizt durch Affären und Skandale, die wachsende Debatte um Ethik, Verhaltensregeln, Selbstregulierung und die Grenzen von Lobbying, Spin und Kontaktgeschäft. Denn Politikberater bewegen sich oft auf dem schwierigen Gelände von Interessenkonflikten und geringer demokratischer Kontrolle. Dieser Band dokumentiert zwei Berliner Fachtagungen der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung und dem Deutschen Institut für Public Affairs. Zu Wort kommen Praktiker aus dem In- und Ausland. Ihre Analysen werden ergänzt durch eine bisher einmalige Dokumentation internationaler Beispiele für Verhaltensregeln für Politikberater und Politiker.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.03.2005
Zurückhaltend zeigt sich Werner Link gegenüber diesem von Marco Althaus und Dominik Meier herausgegebenen Band über Politikberatung, der die Tonbandabschrift der "Panels" von zwei Fachkonferenzen enthält, die 2003/04 an dem privaten "Deutschen Institut für Public Affairs" (Potsdam/Berlin) veranstaltet wurden. Manche der Diskussionsmitschnitte offenbaren für Link geradezu "seltsame Auffassungen", wenn es zum Beispiel um die Frage geht, ob zumindest die wissenschaftliche Politikberatung vom Anspruch her (partei)politisch "neutral" ist oder sein sollte. Die Meinung Eberhard Sandschneiders, ein Wissenschaftler als Berater tue nichts anderes "als jemand, der hier sitzt, eine Kamera in die Hand nimmt und ein Bild macht", löst bei Link "Erstaunen und Amüsement" aus. Sandschneider, Direktor des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, erachte Politikberatung für "erfolgreich, wenn sie fotografiert und nicht über die technischen Möglichkeiten des Objektivs redet". Zustimmen kann Link dagegen Dietmar Herz von der "Erfurt School of Public Policy", der diesem reduzierten Wissenschafts- und Beratungsverständnis widerspricht. Herz weise darauf hin, dass die verschiedenen methodischen Verfahren zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, weshalb sie offengelegt und vermittelt werden müssten.
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