Melting Point
Suche nach dem Gelobten Land. Eine Familiengeschichte

AB - Die Andere Bibliothek, Berlin 2025
ISBN
9783847704959
Gebunden, 456 Seiten, 48,00
EUR
Klappentext
Übersetzt von Nina Frey und Cornelius Reiber. Eine Familie im Sturm der Weltgeschichte: Auf dem Weg zur Gründung eines jüdischen Staates in Texas. Am 7. Juni 1907 sticht ein Schiff voller russischer Juden in See, nicht nach Jerusalem, wie viele an Bord geträumt haben, sondern nach Texas. Der Mann, der dies organisierte, ist David Jochelmann, der Urgroßvater von Rachel Cockerell. Es ist der Beginn der Galveston-Bewegung, ein in Vergessenheit geratenes Kapitel der Weltgeschichte, als 10.000 Juden im Vorfeld des Ersten Weltkriegs nach Texas flohen. Rachel Cockerell verwebt Briefe, Tagebücher, Memoiren, Artikel und Interviews zu einem lebendigen Bericht über die, die dabei waren. Sie folgt ihren Protagonisten durch zwei Weltkriege, nach London, New York und Jerusalem - während sich ihre Schicksale mit einigen der denkwürdigsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts verflechten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.02.2026
Faszinierend, aber auch ziemlich anstrengend: So beschreibt Rezensent Kai Sina Rachel Cockerells Buch über ein jüdisches Siedlungsprojekt im amerikanischen Westen. Cockerells eigener Urgroßvater, David Jochelman, war maßgeblich an dem Plan beteiligt, ab 1907 landeten tatsächlich europäische Juden im texanischen Galveston und reisten von dort aus weiter ins Landesinnere. Damals fand dieses Experiment, zeigt das Buch, durchaus international Beachtung und war erst einmal eine Erfolgsgeschichte - bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs, der neue bürokratische Hürden heraufbeschwor und das Projekt beendete. Das Buch allerdings geht an diesem Punkt noch weiter, was Sina nicht allzu gut gefällt - was folgt, ist eine ausufernde Familiengeschichte, die mit der jüdischen Galveston-Utopie nur noch bedingt zu tun hat. Die Autorin montiert vor allem vorhandenes Material, wie zum Beispiel Tagebucheinträge zusammen - das ist zwar häufig überraschend, auf Dauer findet der Kritiker diese "Hybrid-Poetik" aber etwas anstrengend. Spannend ist vor allem das "kontrafaktische Prisma" der Erzählung, so Sina: Was wäre gewesen, wenn sich Galveston tatsächlich als dauerhafte jüdische Heimstätte im amerikanischen Heartland etabliert hätte?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 02.02.2026
Rezensent Sieglinde Geisel liest mit Rachel Cockerells neuem Buch einen ganz ungewöhnlichen und sehr bereichernden Ansatz von Geschichtsschreibung: Der ganze Band besteht nur aus Zitaten. Ursprünglich wollte die Autorin nur ihre Familiengeschichte aufschreiben, die in der Mapesbury Road in London begann, erfahren wir, nun setzt sie aber bereits beim ersten zionistischen Kongress 1897 ein. Cockerells Urgroßvater war mit Israel Zangwill befreundet, der wiederum gemeinsam mit Theodor Herzl bestrebt war, einen Zufluchtsort für Juden zu finden, erklärt Geisel. Auch in der Geschichte um Galveston, einen texanischen Ort, der 10.000 Juden aufnahm und zum Beispiel für die USA als Melting Pot wurde, liest sie viele aktuelle Bezüge. Insgesamt lassen sich für sie durch den Zitat-Collagen-Charakter emotionale und politische Bezüge erfahren, die in anderen Büchern verschlossen geblieben wären. Ein mitreißendes und kenntnisreiches Buch, wie sie schließt.