Rachel Kushner

Ich bin ein Schicksal

Roman
Cover: Ich bin ein Schicksal
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2019
ISBN 9783498035808
Gebunden, 400 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Bettina Abarbanell. Romy Hall tritt eine zweimal lebenslängliche Haft in der Stanville Women's Correctional Facility an, tief in Kaliforniens Central Valley. Draußen die Welt, von der sie nunmehr abgeschnitten ist: San Francisco, wo sie aufwuchs und wo ihr kleiner Sohn Jackson lebt. Drinnen eine ganz neue: Hunderte Frauen, die um das Nötigste zum Überleben kämpfen; ständiges Bluffen und Katzbuckeln und die beiläufige Gewalt durch Aufsichtspersonal wie Gefangene. Aber es gibt auch einen Hoffnungsschimmer am Horizont: einen noch an Ideale glaubenden Sozialarbeiter, der sich der jungen Frau annimmt…

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.08.2019

Rezensentin Miriam Zeh sieht in Rachel Kushners Roman einen Beleg dafür, dass Bücher nicht mehr rezensiert werden, sondern Interviews oder in Personality-Geschichten abgefeiert werden, obwohl ein Blick in den Perlentaucher diese These nicht bestätigt. Sie jedenfalls findet anders als all die ihrer Meinung nach nicht-existenten Rezensenten den Roman furchtbar: vulgär, eindimensional, nur auf Schock-Effekte hin kalkuliert. Wenn Kushner von den Insassinnen eines Frauengefängnis erzähle, interessiere sie sich nicht für differenzierte Darstellung, sondern knalle ihren Lesern einfach nur Horrorgestalten hin, die sie nach erwünschtem Grusel gleich wieder fallen lasse. Dass der Roman schlecht konstruiert sei, zählt Zeh ebenfalls zu seinen "moralischen Verfehlungen".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.07.2019

Rezensentin Marie Schmidt findet es kongenial, dass Rachel Kushner ein amerikanisches Frauengefängnis mehr als Ort der sozialen Begegnung und des Miteinanders zu schildern versteht als das freie Amerika. In ihrem Roman, der sich um eine Frau zentriert, die ihren Stalker umgebracht hat, begegnen sich im Gefängnis Schwarze, Weiße, LGBTQs, Unter- sowie Oberschicht und finden zu einem geregelten Miteinander, das nicht immer gerecht ist, aber doch sicherer und klarer zu sein scheint als die Welt draußen, erzählt die begeisterte Rezensentin. Außerdem greift das Buch laut ihr die drängenden Fragen dazu auf, wieso in Amerika so viele Menschen, vor allem Schwarze, einsitzen - Gefängnis als Industriezweig? Als rassistische Institution? Und was bleibt, wenn die Gesellschaft draußen nur ein rassistischer Ausbeuterladen ist? Die Natur, deutet Schmidt mit Kushner an.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.07.2019

Rezensentin Eva Behrendt bewundert an Rachel Kuschners Roman sowohl die Schlagfertigkeit und Situationskomik als auch die gesellschaftskritischen und aufwühlenden Momente. Die Geschichte einer zu lebenslänglicher Haft verurteilten Gefängnisinsassin zeigt der Kritikerin zufolge, dass die Verurteilten nicht grundlos schuldig geworden sind: Die Strukturen unter den Häftlingen und ihren Wärtern sprechen Bände über die Missstände in der US-amerikanischen Gesellschaft, findet Behrendt. Außerdem sei der Roman ausnehmend gut recherchiert und biete deshalb Einblick in eine Parallelwelt mit ungewohnten Regeln, zu der das Gefängnis den Inhaftierten wird, lobt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.07.2019

Rezensentin Ingeborg Harms lernt in Rachel Kushners neuem Roman die Gefängniswelt der USA und den amerikanischen Anarchismus kennen. Das gesellschaftliche Psychogramm, das Kushner anhand einer geflohenen Lebenslänglichen und ihrer Erfahrungen und Strategien im Knast zeichnet, berührt Harms einerseits, stößt sie andererseits ab mit seinen Redundanzen und Pathosformeln. Der Leser betritt eine Welt abseits aller politischen Korrektheit, erklärt Harms, und lernt die Lügen und den Selbstbetrug der Gesellschaft kennen und sehen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2019

Tief beeindruckt berichtet Rezensent Thomas David von diesem großen Roman der amerikanischen Rachel Kushner, der ihm die ganze Widersprüchlichkeit der menschlichen Existenz offenbarte. Dostojewski und Thoreau nennt der Kritiker als Bezugsgrößen. "Ich bin ein Schicksal" erzählt von Romy Hall, die im Laufe ihres beklagenswerten Lebens zur Mörderin  wurde, und von all den Frauen, denen sie im Gefängnis begegnet. Selten hat der Kritiker die Gesichter von Menschen hinter Mauern derartig leuchten gesehen wie in diesem Roman von immenser Strahlkraft. Vor allem weil Kushner so unsentimental erzähle und Menschen schildere, die für ihr eigenes mieses Leben andere leiden ließen, erscheint ihm das Buch als ein wahres "Manifest der Menschlichkeit".