Dem japanischen Nationalismus wurde seit der Jahrtausendwende vermehrte Beachtung in Medien und Wissenschaft zuteil, wobei man Japan mitunter einen Rechtsruck attestierte. Im Gegensatz zu der oft isolierten Betrachtung einzelner Phänomene in bisherigen Beiträgen, bietet die vorgelegte Studie ein Gesamttableau des japanischen Gegenwartsnationalismus in einschlägigen Diskursfeldern. Hierzu werden Formen, Konstruktion, Verwendung und Ziele japanischer Identität analysiert, wobei das Verständnis durch empirisches Material weiter vertieft wird. Es zeigt sich dabei, dass der japanische Gegenwartsnationalismus auf Eliten- und Massenebene nicht losgelöst von regionalen und globalen Entwicklungen gesehen werden kann. Denn deren politische, sozioökonomische und kulturelle Herausforderungen sowie die verstärkte Präsenz "des Anderen" befördern maßgeblich die Beschäftigung mit der eigenen Identität und Geschichte und führen zur grundlegenden Überprüfung und Anpassung etablierter Nationenbilder.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2018
Klaus Vollmer watscht dieses Buch von Raffael Raddatz in einer Rigorosität ab, dass man sich fragt, warum er es überhaupt bespricht. Zunächst einmal werde der Autor dem eigenen Anspruch, die komplexe gesellschaftspolitische Debatte in Japan über geschichts- und erinnerungspolitische Fragen vorzustellen und diskursanalytisch zu untersuchen, nicht gerecht, befindet der Rezensent. Zwar könne Raddatz die Fülle der zum Thema vorliegenden Forschungsliteratur referieren, meint der Rezensent, doch bleibe der Autor hier wie auch bei der begrifflichen Basisarbeit an der Oberfläche. Dabei findet der Rezensent die aus Interviews gewonnenen Vorstellungen und Visionen des "Japanerseins", die Raddatz zusammenträgt, durchaus eindrucksvoll. Schwach aber bleibt für ihn der analytische Teil, der Autor verharre weitgehend im Beschreibungsmodus, urteilt Vollmer. Und sprachlich bewegt sich der Text laut Rezensent auf dem Niveau einer ambitionierten Seminararbeit.
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