Der Sieg des kulturell hegemonialen Kapitalismus bedeutete einen ungeheuren individuellen wie gesellschaftlichen Freisetzungsprozess. Zugleich errichtete der Kapitalismus eine neue, noch subtilere Herrschaftsstruktur bis in das Innerste des Subjekts, als es die christlichen Kirchen je vermocht hatten.Wie im Kapitalismus bestehen, ohne ihm zu verfallen? Rainer Bucher zeigt, dass gerade das Christentum Ressourcen hierfür bereithält. Gegen die "gewinnorientierte Verwaltung der Welt" hat das Christentum die paradoxalen Spannungen menschlicher Existenz freizulegen: zwischen Jetzt und Noch-nicht, Individuellem und Gesellschaftlichem, Freiheit und Gnadenbedürftigkeit. Das geht nur situativ, risikoreich und als offenes Freiheitsprojekt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2019
Der hier rezensierende katholische Theologe und Ökonom Bernhard Emunds hat dieses Buch des katholischen Pastoraltheologen Rainer Bucher durchaus interessiert gelesen - wenngleich er Bucher in wesentlichen Punkten nicht zustimmen möchte. Daran, dass die Kirchen nicht nur als Institution, sondern auch für "individualisierende" Bedürfnisse der Menschen an Macht verloren haben, herrscht auch für Emunds kein Zweifel. Wenn Bucher dann aber davon spricht, dass das "unternehmerische Selbst" im Kapitalismus die "fromme und moralische Selbstoptimierung" verdrängt habe, wird es dem Kritiker zu allgemein. Vor allem aber stört ihn der Lösungsansatz des Autors: Damit, dass Bucher vorschlägt, dem Kapitalismus durch "kreative Praktiken wie Tanz und Spiel" oder durch situative Glaubens-Momente in Kirchen und Klöstern zu trotzen, wird der Kritiker nicht recht glücklich.
Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…