Wir Deutsche werden mit Angela Merkel identifiziert und identifizieren uns mit ihr. Auch Umfragen unter anderen Europäern zeigen: In einer Mischung aus Kritik und Bewunderung sehen sie in der Kanzlerin die Verkörperung alles Deutschen. Aber stimmt das überhaupt? Merkel hat lange gebraucht, um sich an das Fühlen und Wollen der Westdeutschen anzupassen. Ralph Bollmann hat ihr Wirken jahrelang kommentiert und sie aus der Nähe beobachtet. Er beschreibt, wie ihr Agieren einen fundamentalen Wandel in Politik und Gesellschaft spiegelt: Nach dem Ende der Lagerkämpfe repräsentiert sie die politische Mitte - und damit zugleich den Untergang der vertrauten demokratischen Kultur. Damit wird das Buch zu einem Doppelporträt von Merkel und uns Deutschen, das über den Tag hinausweist.
Uff, "nationaldiagnostische Krawallprosa" hat Ralph Bollmann trotz des Buchtitels nicht abgeliefert, atmet Rezensent Christoph Dieckmann erleichtert auf. Bollmann beschreibt in 11 Kapiteln den Weg Merkels an die Spitze der CDU und ins Regierungsamt. Gradlinig war seitdem allerdings nicht viel, und auch Bollmann ist vorsichtig mit Aussagen über die "wahre Merkel", die gebe es nur "situationsbedingt", zitiert der Rezensent. Bollmann schildert, ohne Partei zu nehmen, und urteilt kundig, schreibt Dieckmann, der es lieber etwas schärfer im ton gehabt hätte: Zum Teil ist Bollmann zu gleichmütig, findet der Rezensent, der Angela Merkels "Opportunismus" ihre "typischste DDR-Eigenschaften" nennt.
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