Stürme, Schiffbruch, Kannibalen: die abenteuerliche Geschichte eines Weltumseglers, die niemand so erzählen kann wie Raoul Schrott Was für ein Abenteuer! Der Hannes aus Aachen kam als erster einmal ganz um die Welt. Vor 500 Jahren brach er mit Magellans Flotte zu den Gewürzinseln auf. Und damit ins völlig Ungewisse. Meutereien. Schiffbrüche. Kämpfe, Menschenfresserei - nur um an Nelken zu kommen. Am Ende kehrte bloß ein einziges Schiff zurück. Nur 18 Seeleute überlebten, unter ihnen "Juan Aleman". Dass er noch ein zweites und sogar drittes Mal zur Weltumsegelung aufbrach, ist alles, was man von ihm weiß.
Auch wenn es keinen Hinweis auf die Existenz der Erzählerfigur in Raoul Schrotts Roman über die Abenteuer der Weltumsegelungen zur Zeit Magellans gibt, lässt sich Tanya Lieske verzaubern von der Geschichte. Witzig und manchmal überwältigend in seiner barocken, die Rezensentin an Grimmelshausen erinnernden Sprachpracht und den blutrünstigen Schilderungen der Verhältnisse an Bord, fordert der Text Lieskes ganze Aufmerksamkeit, belohnt sie allerdings auch mit einer Geschichtsschreibung von unten, die sie nah an das Denken und Fühlen der Zeitgenossen heranführt. Wie ein etwas einfältiger Mensch das Abenteuer Weltumsegelung erlebt, dem folgt die Rezensentin durchaus gern. Nicht nur Magellan erscheint ihr dabei in neuem Licht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.10.2019
Nicolas Freund hätte sich mehr Überraschungen gewünscht in Raoul Schrotts Geschichte von Magellans Kanonier. Mit seinen historischen und literarischen Quellen als Grundlage wirkt der Roman auf ihn stellenweise wie ein bürokratischer, allzu vorhersehbarer Nachvollzug des Abenteuers Weltumsegelung. Am besten gefällt Freund der Text, wenn Schrott ins wilde Fabulieren gerät, seinen Helden in Liebesabenteuer verstrickt und in seiner "pseudobarocken Kunstsprache" alte Seekarten beschreibt. Allzu viel Neues bietet diese Reise dem Rezensenten wider Erwarten leider nicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2019
Rezensent Jakob Strobel y Serra ist selbst erstaunt, wie kalt ihn Raoul Schrotts Abenteuergeschichte von Magellans Kanonier Hannes von Aachen lässt. Dabei fantasiert und fabuliert der Autor so toll drauflos über Stürme, Flauten und Ruhm und erläutert das Kanonengießen, als wär er dabeigewesen, meint der Rezensent. Dass Schrott im weiteren tatsächlich leibhaftig durch seine Geschichte spaziert, gehört für den Rezensenten zu den Rätseln des Buches. Oder ist es bloß Eitelkeit? Zu seinen Ärgernissen gehört für ihn jedenfalls Schrotts sprachlicher Manierismus, der den Rezensenten schlimm seekrank macht.
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