Raoul Schrott

Politiken und Ideen

Essays
Cover: Politiken und Ideen
Carl Hanser Verlag, München 2018
ISBN 9783446258228
Gebunden, 256 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Woher kommen unsere Werte und Vorstellungen? Wird eine Nation durch ihre Grenzen, Sprachen oder gar die Abstammung ihrer Bürger definiert? Als neugieriger Entdecker führt Raoul Schrott in vier großen Essays hinein in die Welt unseres Zusammenlebens. Am Beispiel des Hochdeutschen zeigt er, wie Kultur überhaupt erst entsteht. Welche Sprengkraft Ideen haben, demonstriert er an der Politik des Heiligen, wie sie etwa die Papstwahl vorführt. "Nichts Abgeschlossenes vermag auf Dauer zu bestehen." Dieser Satz erlangt neue Bedeutung, betrachtet man die Gesellschaft als Ergebnis jahrtausendelanger Prozesse. Hier blickt ein Universalgelehrter weiter als nur bis zum nächsten politischen Grabenkampf.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.06.2018

Nicolas Freund erfährt bei Raoul Schrott nichts Wissenswertes zum Thema kultureller Transfer. Auch wenn der Autor noch so schön über die Geschichte der Tomate schreibt, meint er, der aktuellen Debatte um nationale Identitäten fügt es nichts Wesentliches hinzu. Die angepeilte Auseinandersetzung mit neurechten Thesen gelingt dem Autor nicht, meint Freund, da der Autor sich selbst in kruden Argumentationsmustern verhakt, indem er der Migrationsdebatte mit kulturellen und biologistischen Maßstäben begegnet, und allzu unkritisch jeder sich bietenden Assoziationskette folgt. Mehr Selbstkritik auf Seiten des Autors und ein strengeres Lektorat hätten dem Buch gutgetan, findet Freund.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2018

Dass Raoul Schrott zu vielem viel zu sagen hat, war Rezensent Helmut Mayer ja schon bekannt. Doch was sich der Autor in diesen vier Essays über das Nationale, das Heilige, die Sprache und das Kulturelle leistet, lässt Mayer dann doch ungläubig staunen. Da versucht Schrott, das Fortleben des Heiligen in der säkularen Gesellschaft zu erweisen, indem er die "sakrale Dimension" der Judenvernichtung herausarbeitet! In Daniel Libeskinds Bau des Jüdischen Museums erkennt der Autor allenthalben die Kreuzform und folgert daraus, dass Geschichte ohne die Symbole des Heiligen nicht zu erzählen sei. Mayer schlussfolgert daraus, dass nach Schrott "die Judenvernichtung die Kreuzigung vertritt". Schrott sehe die Judenvernichtung als eine Art umgekehrte Heilsgeschichte - für Mayer eine überaus frivole dialektische Spitzfindigkeit.
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