Aus dem Spanischen von Kirsten Achtelik und Huberta von Wangenheim. In den riesigen Armenvierteln lateinamerikanischer Megalopolen haben sich in den vergangen zwanzig Jahren Territorien des Widerstands herausgebildet, die mit den von den Medien transportierten Bildern aus Elendsvierteln wenig zu tun haben. Ob in den Barrios von Mexiko-Stadt, den Favelas Brasiliens oder den Armenvierteln von Buenos Aires, Lima oder Caracas - überall haben Campesinos, städtische Arme und Indigene völlig neue Organisationsformen und Überlebensstrategien entwickelt. Die organisierte Linke bewegt sich normalerweise außerhalb dieser Welt und begegnet ihr mit einem Blick von außen. Raul Zibechi, ein ausgewiesener Kenner der lateinamerikanischen Situation, gehört zu den wenigen Intellektuellen, die den Spuren und konkreten Ausdrucksformen dieser neuen sozialen Zusammenhänge in den urbanen Peripherien Lateinamerikas nachgegangen sind. Wie er überzeugend nachweist, zeichnet sich diese neue Generation sozialer Bewegungen durch folgende Charakteristika aus: Sie haben den Kampf um das Land durch die Besetzung von Territorien ersetzt. Sie verwandeln ihr Alltagsleben und ihre Weisen der Subsistenzsicherung in Widerstandsformen gegen das System. Sie lehnen jede Form der politischen Repräsentation durch Parteien, Kirchen oder staatliche Organe ab und entwickeln neue Formen der Selbstregierung. Damit stehen sie auch quer zu den Linksregimen Lateinamerikas, die mit einer neuen Kunst des Regierens versuchen die Kontrolle über diese Stadtteile wiederherzustellen. Die sozialen Beziehungen in diesen Territorien beruhen auf Wechselseitigkeit und gegenseitiger Hilfe, ihre Produktion zielt auf Gebrauchswerte und Überlebenssicherung, anstatt Tauschwerte und Macht zu akkumulieren. Zibechi sieht in ihnen Keimformen einer nichtkapitalistischen Vergesellschaftung. Deshalb sind die Territorien des Widerstands in seinen Augen (Hoffnungs-)Träger einer neuen Welt.
Raul Zibechis Buch über die Slums an den Rändern der Megacities in Lateinamerika findet Rezensent Florian Schmid sehr erhellend. Ein Vorzug des Werks ist für ihn die Nähe zu den Verhältnissen vor Ort, die eine weniger ideologische Betrachtung mit sich bringe. Aufschlussreich findet er Zibechis Blick auf die Entstehung neuer politischer und sozialer Strukturen, die Bedeutung von Besetzungen und autonomen Selbstorganisationen sowie die unterschiedlichen Bewegungen von unten. Dem Autor gelingt es seines Erachtens überzeugend, das breite Spektrum verschiedener Bewegungen und ihre historische Entwicklung seit Mitte des 20. Jahrhunderts zu analysieren. So entsteht für Schmid ein umfassendes Panorama hierzulande bisher kaum reflektierter politischer Bewegungen.
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