Rayk Wieland

Ich schlage vor, dass wir uns küssen

Roman
Cover: Ich schlage vor, dass wir uns küssen
Antje Kunstmann Verlag, München 2009
ISBN 9783888975530
Gebunden, 207 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Herr W. hat eines Tages eine ominöse Einladung in der Post: Auf einer Podiumsdiskussion unbekannter Untergrunddichter soll er Auskunft geben über sein Werk, über die Unterdrückung in der DDR und über seine Erlebnisse als Staatsfeind. Zuerst glaubt er an einen schlechten Scherz. Ist er überhaupt gemeint? Mit der DDR hat er doch längst abgeschlossen, nachdem sie 1989 wie ein falsch montiertes Chemieklo zusammenklappte. War er je als Dichter auffällig geworden? Als unterdrückter gar? W. stellt Nachforschungen an, unterzieht sich bei der Psychologin Tyna Novelli einer Rückführungstherapie in die DDR-Vergangenheit und nimmt schließlich Einsicht in seine Stasi-Akte. Was für ein Fund: Tatsächlich sind hier seine lyrischen Gehversuche unter dem Titel "Mögliche Exekution des Konjunktivs" abgeheftet, dazu sämtliche Liebesbriefe an Liane in München, alles von einem Oberleutnant Schnatz über Jahre akribisch gegengelesen, verwegen gedeutet und als staatszersetzend-konterrevolutionäres Schrifttum eingestuft. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.10.2009

Eine ziemliche Fiktionalverquirlung hat Rezensent Florian Kessler aus Rayk Wielands Roman "Ich schlage vor, dass wir uns küssen" gemacht. Denn Autor Wieland und Protagonist W. sind für ihn fast deckungsgleich. Zumindest was das Leben in den achtziger Jahren im Prenzlauer Berg betrifft: Beide machen Kunst, beide trinken viel - erinnert wird sich an fast nichts. Das besorgt stattdessen die Stasi, die in diesem Roman nun endlich einmal "erfrischend" in eine Geschichte verwoben wird, wie Kessler die fröhliche Alternative lobt. Ansonsten, berichtet Kessler, besteht das Buch zum größten Teil aus Kalauern, die mit steigender Seitenzahl immer besser werden, und aus engagementlosem Nichtstun, das bei Kessler für einen Großteil des Lesevergnügens verantwortlich zeichnet. Der "direkte Geistesbruder in Sachen geschichtsabgewandter Müßiggang" ist wohl Sven Regeners Herr Lehmann. Alles in allem hat Kessler eine vergnügliche Alternative zur gängigen Erinnerungspolitik in diesem Jahr gelesen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2009

Sehr gern mag Rezensent Edo Reents diesen Roman, ohne ihn deswegen gleich für bedeutende Literatur zu halten. Es geht darin um die DDR, bzw. um den Schriftsteller W., der ohne viel eigenes Zutun im Westen in den Verdacht gerät, ein lyrischer Widerständler zu sein. Flugs gründet er die "Gruppe 61" und der Roman entpuppt sich als satirische Meditation über Erinnerungspolitik. Ostalgisch geht's dabei gar nicht zu, freut sich Reents, dafür umso lustiger. Was kein Wunder sei bei einem Autor aus dem Titanic-Umfeld. Manche heilige Kuh wird dabei fröhlich geschlachtet. Allen, die die deutsch-deutsche Geschichte allzu ernst nehmen, komme das ganze sicherlich, weiß der Rezensent, arg "frivol" vor. Er hält den vom Autor gefundenen, aber für einen durchaus passenden Ton.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.03.2009

Entzückt zeigt sich Rezensentin Susanne Messmer von Rayk Wielands "wunderbar leichtem" DDR-Roman "Ich schlage vor, dass wir uns küssen". Gerade weil das Buch weder "nostalgisch oder moralisch noch monumental oder neunmalschlau" ist, sondern "leicht und lustig", hält sie es für einen der besten Romane über die DDR, die in den letzten Jahren geschrieben wurden. Im Mittelpunkt sieht sie die Liebesgeschichte zwischen einem Jungen aus Ostberlin und einem Mädchen aus München, die sich leidenschaftliche Briefe schreiben, deren Romanze nach dem Mauerfall aber schnell vorbei ist. Zwanzig Jahre später muss der Junge, nun Schriftsteller, entdecken, dass seine Briefe damals von der Stasi gelesen und als staatsfeindlich eingestuft wurden. Besonders haben Messmer die Liebesgedichte des Jungen sowie die Schilderung des Mauerfalls gefallen.
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