Die Bedeutung von Sexualität im Krieg ist in den letzten Jahren stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt - sei es durch Medienberichte von Massenvergewaltigungen im Kongo oder durch die UN-Resolution, die die Ausübung sexueller Gewalt erstmals als Kriegstaktik bezeichnet. Das Ausmaß und die Bedeutung der sexuellen Kontakte von deutschen Soldaten und Frauen in den besetzten Gebieten der Sowjetunion ist jedoch nach wie vor weitgehend unerforscht. Die Historikerin Regina Mühlhäuser widerlegt in ihrer Studie die verbreitete Vorstellung, die deutsche Militärführung hätte angesichts der offiziellen nationalsozialistischen Ablehnung sexueller Kontakte deutscher Männer zu "fremdvölkischen" Frauen versucht, jegliche sexuelle Aktivität der Soldaten in Osteuropa strikt zu unterbinden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2011
Hannah Ahlheim schätzt diese Studie über die "sexuelle Gewalttaten und intime Beziehungen" deutscher Soladaten im Ostkrieg von Regina Mühlhäuser. Sie bescheinigt der Autorin, der Komplexität des Themas gerecht zu werden und die verschiedenen Formen des Kontakts der Soldaten mit den Frauen von Erniedrigung und Vergewaltigung über romantische Affären bis zur Beziehung differenziert zu analysieren. Beeindruckend und erhellend scheint ihr die Darstellung der Perspektive der Soldaten. Dagegen bleibt die Rekonstruktion der Perspektive der betroffenen Frauen wegen der mangelhaften Quellenlage immer wieder auf Spekultation angewiesen. Insgesamt würdigt Ahlheim die Studie als wichtigen Beitrag über Sexualität und sexuelle Gewalt und deren Verbindung mit Krieg.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.05.2010
Dass die Autorin in ihrer zum Buch umgearbeiteten Dissertation über das sexuelle Verhalten deutscher Soldaten in den besetzten Gebieten während des Zweiten Weltkrieges trotz schlechter Quellenlage (ausgewertet werden Selbstzeugnisse von Opfern und Soldaten, Wehrmachtsakten, Berichte von Einheimischen) eine derart seriöse, methodisch sichere und ergiebige Studie vorlegt, findet Rudolf Walther höchst respektabel. Ebenso das Widerstehen der Autorin, sich pauschalisierenden Hypothesen anzuschließen, anstatt präzise am Einzelfall zu analysieren. Wenn dabei weniger Synthesen und allgemeine Thesen zustande kommen, kann Walther das verkraften. Die belegten Situationen sprechen für ihn ohnehin eine deutliche Sprache und bezeugen ein "Klima, in dem sexuelle Übergriffe nicht überraschen".
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