Der Titel "Wie alle Völker …?" geht auf eine Broschüre von Judah L. Magnes, des ersten Rektors der Hebräischen Universität in Jerusalem, zurück. Dieser betrachtete 1930 erstmals die Problematik im Verhältnis zwischen Moderne und Tradition, zwischen Politik und Religion auf, die sich seither durch die Geschichte des Staates Israel zieht. Reiner Bernstein zeigt, dass die Idee eines säkularen Nationalstaates gegen die von Anfang an bestehende theologische Grundausrichtung Israels nur schwer zum Zuge kam. Er macht deutlich, dass sich der politische Streit als Wesensmerkmal der Demokratie heute erschöpft zeigt und den Einfluss der nationalistischen und ultrareligiösen Gruppierungen nicht mindern kann. Und er hinterfragt, wie der Widerstand gegen das "Nationalstaatsgesetz" vom Juli 2018 die Wende zur politischen Vernunft einleiten und internationalen Konventionen Respekt verschaffen kann.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.07.2020
In einer Doppelrezension beschäftigt sich Alexandra Föderl-Schmid mit der Frage, ob eine Lösung des Nahostkonflikts auf neue Weise denkbar wäre. Sie schätzt an der Arbeit des deutschen Historikers seine wissenschaftliche Gründlichkeit und hebt ihren Kern hervor - die Ausleuchtung des internationalen Kontexts. Zudem habe sich der Autor mit innerisraelischen Protesten "gegen das Nationalstaatsgesetz" beschäftigt - auch für Omri Boehms "Republik Haifa" ein entscheidendes Hindernis. Diesem Widerstand müsse, so fordere der Autor, auch ein internationales Engagement beispringen. Der kenntnisreichen Rezensentin gefällt der "vorsichtigere" Zugang. Im Übrigen befindet sie, dass durch Aktualisierungen, Hinzufügungen und einen umfangreichen Anhang "eine Art Nahost-Kompendium" aus diesem Buch geworden sei.
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