Aus dem Amerikanischen von Monika Köpfer. Eigentlich sollte das Memorial-Day-Wochende für alle Bewohner von North Barth eine Zeit der Ruhe und Besinnung sein. Aber in diesem Jahr ist es, als hätte jemand ungebeten die Büchse der Pandora geöffnet. Chief Raymer, der Leiter der Polizeidirektion, kollabiert auf einer Beerdigung, fällt ins offene Grab und verliert dabei das einzige Beweisstück dafür, dass seine Frau ihn betrogen hat. Die Wand eines Gebäudes, das der impotente Bauunternehmer Carl errichtet hat, stürzt ein. Sein ehemaliger Kontrahent Sully hat alle Hände voll damit zu tun, eine schwere Krankheit vor den Menschen, die er liebt, zu verheimlichen. Und zu allem Übel ist auch noch eine illegal gehaltene Giftschlange entwichen und irgendwo in den Straßen der Kleinstadt an der Ostküste unterwegs.
Chief Raymer, dem es eigentlich am liebsten ist, wenn die Dinge so bleiben, wie sie immer waren, wird aktiv: Er schreitet zur Tat, um wieder Ordnung in das verheerende Chaos zu bringen. Und um dem Mann auf die Schliche zu kommen, der ihn gehörnt hat. Aber auch die anderen Bewohner der Stadt müssen an diesem Wochenende Farbe bekennen und von ihren gewohnten Mustern abweichen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.09.2017
Ein zufriedenstellendes Preis-Leistungs-Verhältnis, urteilt Rezensent Ulrich Baron über Richard Russos neuen Roman, der ganz offensichtlich, wie auch schon seine Vorgänger, als Drehbuch-Grundlage gedacht und geschrieben ist, was ihm in den Augen des Rezensenten sowohl zum Vor- als auch zum Nachteil gereicht. Eine amerikanische Kleinstadt mit all ihren Problemen - Abwanderungen der intellektuellen Elite, Konkurrenz mit den Nachbarorten, finanzielle Schwierigkeiten - dient dem Autor als Kulisse für die "tragisch-komischen" Alltagsgeschichten des kleinen Mannes, so der Kritiker. Leider lässt Russo dabei den einfachen Männern in North Barth wenig Würde, da er, das Drehbuch quasi bereits mitschreibend, vor allem "Situationskomik" und Oberflächlichkeiten einsetzt, womit er zwar durchaus unterhält, jedoch hinter einem John Steinbeck oder Mark Twain weit zurückbleibt, so der abwägende Rezensent.
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