Unbeeindruckt von der Debatte um die Globalisierung geht die Herausbildung eines transnationalen Weltkapitals jenseits der alten Nationalökonomien weiter. Dabei zeigt sich, daß die Erklärungsversuche der 90er Jahre zu kurz gegriffen haben. Die Deutungs- und Bewältigungsmuster blieben pragmatisch und moralisch; die Orientierung war rückwärts gewandt und ging über den Begriffshorizont der traditionellen politischen Ökonomie nicht hinaus. Robert Kurz verläßt diesen Rahmen, um die neue Qualität der kapitalistischen Entwicklung jenseits der veralteten Interpretationsmuster zu untersuchen. Es erweist sich, dass mit der 3. industriellen Revolution der im modernen warenproduzierenden System strukturell angelegte Widerspruch von Nationalismus und Universalismus reif geworden ist. Dabei handelt es sich nicht um die Wiederkehr des Immergleichen, sondern um einen historischen Entwicklungsprozeß. Im Unterschied zur bisherigen Geschichte bildet sich heute eine durch globale Rationalisierungsketten organisierte Betriebswirtschaft heraus, gesteuert von entsubstantialisierten Finanzblasen. Da bedarf es nicht weniger als einer Umwälzung der Gesellschaft über die warenproduzierende Moderne hinaus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.06.2006
Für Agnes Steinbauer hat der Autor Robert Kurz mit seinem Buch über die katastrophalen Folgen der Globalisierung beinahe alles richtig gemacht. Ökonomische Sachkompetenz attestiert sie ihm, Faktenwissen und dass er den Finger in die "richtige Wunde" legt. Die Wunde, das ist für Steinbauer der neoliberale Trugschluss eines allumfassenden Wohlstands, den der Autor mit Marx im Gepäck herausarbeitet, ohne allerdings, so stellt die Rezensentin erleichtert fest, auf eine Neuauflage des Sozialismus hinauszuwollen. Nicht zuletzt der nicht unterschlagenen Beispiele von globalen Gewinnern wegen nimmt Steinbauer die Warnung des Autors vor den großen Verharmlosern der Globalisierung ernst. Warum Kurz nur fast alles richtig gemacht hat, sagt uns der letzte Satz der Besprechung: Da flucht Steinbauer über Schachtelsätze und zu viele Fremdwörter.
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