Herausgegeben von Bernhard Echte. "Ich darf vielleicht versichern, dass ich beim Lesen verhältnismäßig originell bin", bekennt Walser zu Beginn seines Prosastücks "Lektüre". Bernhard Echte hat in diesem Band erstmals Walsers Betrachtungen zu Schriftstellern und ihren Werken zusammengestellt. Das Spektrum dieser Texte könnte breiter nicht sein: Eindringliche Dichterporträts stehen neben spöttischen Gelegenheitsgedichten, kritisch essayistische Collagen neben anekdotisch pointierten Erzählungen. Groschenhefte dienten Walser ebenso als Ausgangspunkt seiner Betrachtungen wie klassische Werke der Weltliteratur...
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.01.2002
Eine "Wundertüte voller Kichererbsen" enthält für Lothar Müller dieser Sammelband mit Robert Walser-Texten, veröffentlichte und unveröffentlichte Artikel, für das Feuilleton geschrieben. Denn Walser nannte sich einen "Zeitungsschreiber" und ging diesem Broterwerb ohne Scham, wie Müller meint, bis in die dreißiger Jahre nach. Die Texte legen Zeugnis ab von der regen Lesetätigkeit des Autors, der sich mit den verschiedensten Schriftstellern auseinandergesetzt hat: mit Shakespeare, Voltaire, Schiller, Kleist ebenso wie mit Sacher-Masoch, Beecher-Stowe oder Courths-Mahler. Walsers ganzes Schreiben war vom "Geist des Feuilletons durchtränkt", schreibt Müller bewundernd - voller Formbewusstsein. Er vergleicht die Walser-Feuilletons mit einem tänzerischen Menuett, gelegentlich zur Starre neigend, weshalb man hier und da dankbar jene Kichererbsen zur Kenntnis nimmt, von denen Walser nach Müller viele kleine zwischen die Textzeilen gestreut hat. Besonders die Form des Nekrologes bei Walser hat es ihm angetan: "Es gab nur einen Anatole France", zitiert Müller Walser, "daher gibt es jetzt keinen mehr."
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