Robert Walser schrieb jahrzehntelang mit Fleiß und "denkbar aufrichtigstem Vergnügen" für Tageszeitungen, Literatur- und Kunstzeitschriften, für Illustrierte, Modeblätter und Sportmagazine von Bern bis Berlin, von Prag bis Wien. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts boomte die Presse, das Feuilleton florierte. Es boten sich Verdienstmöglichkeiten und, für Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die sich dem Geschmack der Zeit und den unterschiedlichen publizistischen Programmen mit Geschick anpassen konnten, auch tagtäglich die Gelegenheit, Sprachkunstwerke zu erschaffen und 'Modernität' zu beweisen. In dieser Hinsicht verfeinerte und variierte Walser seinen Feuilletonstil. Er schöpfte aus seiner Phantasie, stellte sich auf wechselnde Themen ein und variierte das Standardrepertoire. In der feuilletonistischen Form fand er ein taugliches und wirksames Instrument, die Welt in ihrer reizendverwirrenden Vielfalt kaleidoskopisch zu betrachten, ohne sich von den zeitweise heillosen Verhältnissen bannen zu lassen. Das Textkorpus von Robert Walsers Feuilletons, beträchtlich in seinen Ausmaßen, ist literaturhistorisch nicht zuletzt bedeutend, weil es mit der intellektuellen Essayistik eines Thomas Mann, der engagierten Publizistik eines Kurt Tucholsky oder der gewaltigen Sprachkritik eines Karl Kraus kontrastiert, als beste Unterhaltungsliteratur für ein breites lesehungriges Publikum.
Rezensent Marc Reichwein ist begeistert von den erstmals in sieben Bänden gesammelten, feuilletonistischen Texten des wiederentdeckten Schweizer Schriftstellers. Dieser habe neben der Veröffentlichung von einigen Romanen nämlich primär in der Zeitungs- und Zeitschriftenwelt, in der kurzen Form gelebt und geschrieben, wovon diese 978 Texte zeugen. Walsers Besonderheit ergibt sich für Reichwein aus seiner scharfen Sensibilität für das Nebensächliche und Kleine, das er in manchmal poetisch-schräge, manchmal offenherzig witzige Worte zu kleiden wusste. Diese gründlich dokumentierte und detailreich kommentierte Werkausgabe bietet nicht nur den Anlass, durch Walsers wunderliche Welt zu stöbern, sondern verdeutlicht endlich auch die Bedeutung des Feuilletons als einen ernstzunehmenden Raum literarischer Produktion, freut sich der Kritiker.
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