Aus dem Amerikanischen von Harald Stadler und Thorsten Schmidt. Was dürfen die Menschen wissen, was sollte tabu bleiben? Der Literaturwissenschaftler und Kulturhistoriker Roger Shattuck hat eine Kulturgeschichte des Tabus geschrieben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 10.03.2001
"Forbidden Knowledge" lautet der Originaltitel von Roger Shattucks Kulturgeschichte des verbotenen Wissens. Und trifft die semantische Bandbreite des Themas besser als die deutsche Übersetzung "Tabu", findet Sascha Michel. Der Autor präsentiert seine Abhandlung als Geschichtenerzählung, berichtet der Rezensent. Geschichten über Faust, Frankenstein, Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Und über de Sade. Und hier wird der Rezensent richtig sauer. Denn er vermutet hinter dem vermeintlich theoriefreien, narrativen Gestus des Buches eine "ordentliche Portion reaktionärer Ideologie". Nicht nur, dass der Autor de Sade für literarisch und ideengeschichtlich überbewertet hält, ärgert den Rezensenten. Vor allem Shattocks moralische Implikation, de Sade besser zu verbieten, da er für die öffentliche Sicherheit und die "Volksgesundheit" eine Gefahr darstelle, bringen Michel richtig auf. Zwar müsse sich der Leser nach der Lektüre von Shattocks Abhandlung nicht um seine Gesundheit sorgen. Aber an Schluckbeschwerden und heftigen Magenkrämpfen komme er angesichts der wertkonservativen Argumentation des Autors nicht vorbei, warnt der Rezensent.
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