Heiterkeit, ursprünglich ein Schönwetterwort und Ausdruck sorgloser Entrücktheit in Götterhimmeln, war für manchen Serenissimus unter den Fürsten ein quasi-göttlicher Zustand, in dem sich festlich regieren und "jovial" repräsentieren ließ. Dann griffen die Dichter nach der Heiterkeit und erwählten sie sich, dem "Ernst des Lebens" zum Trotz, als sublimes Attribut der klassischen Kunst und Literatur. So begann, dunkel grundiert, die glanzvolle literarisch-philosophische Karriere der Heiterkeit, die der deutschen Literatur für zwei Jahrhunderte einen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt hat. Harald Weinrich skizziert in seinem Essay die herausragenden Stationen dieses Weges durch die Geschichte.
Rolf-Bernhard Essig gibt in seiner kurzen Kritik zu, dass er mit dieser Geschichte der Heiterkeit in der deutschen Literatur deshalb so unzufrieden ist, weil er von dem Autor Genialisches erwartet hat und nicht nur "geistreiche und kurzweilige Streifzüge". Aber bei dieser hohen Erwartungshaltung kann ihn das mitunter "Additive" der Darstellung genauso wenig überzeugen wie die "unklare Struktur". Außerdem bemängelt er die manchmal allzu "gewaltsame Art", mit der Weinrich weit Auseinanderliegendes zusammenzwinge. Dennoch preist er den Autor schließlich als "Zierde seiner Zunft" und lobt das Buch dafür, "im besten Sinne Literatur für Leser" zu sein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.02.2001
Der Rezensent windet sich, es ist ihm fast peinlich, da er den Autor ansonsten als geistreichen, eloquenten und interdisziplinär arbeitenden Wissenschaftler schätzt. Aber es hilft ihm kein Drehen und Wenden: Kurt Wölfel ist enttäuscht. Weinreichs sogenannte "Kleine Literaturgeschichte der Heiterkeit" - dieses besonders bei den Weimarer Klassikern so beliebten Topos - nehme noch zu viel für sich in Anspruch: "von andeutenden Materialien zu einer kleinen Literaturgeschichte" könne da höchstens die Rede sein. Zu verkürzt, zu stichwortartig erscheinen Wölfel Weinreichs Kommentierungen quer durch die Literaturgeschichte, die mal an Oberseminaristen und mal an Volkshochschulbesucher gerichtet zu sein scheinen, meistens eher Letzteres, so Wölfel. Der Ton allerdings sei heiter, eine stilistisch makellose Oberfläche, auf der der Leser vergnügt dahingleiten könne - Wölfel allerdings begleitete stets das Gefühl, nicht unter die Oberfläche vorzudringen.
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