Rolf Hosfeld erzählt die Geschichte einer Rache - und dieses ersten Genozids des 20. Jahrhunderts. Im Juni 1921 wird das Berliner Landgericht zum Schauplatz eines Prozesses, der die Welt aufrüttelt. Der Angeklagte hat den Verantwortlichen für den Völkermord an den Armeniern, den ehemaligen türkischen Großwesir Talaat Pascha in Charlottenburg auf offener Straße erschossen. Der junge Angeklagte wird freigesprochen. Was das Gericht nicht weiß: Er gehört dem geheimen Kommando "Nemesis" an, das sich zum Ziel gesetzt hat, die untergetauchten Haupttäter des ersten großen Genozids unserer Zeit, dem 1,4 Millionen Armenier zum Opfer fielen, zur Strecke zu bringen. Der Autor erzählt die Hintergründe dieses Mordes: Die Massaker zur Zeit des Sultans Abdul Hamid II., die Europa schockieren und Kaiser Wilhelm II. gleichgültig lassen. Die Entstehung eines aggressiven türkischen Nationalismus, und schließlich die systematische Vernichtungspolitik unter dem Schutz des Bündnisses mit dem Deutschen Reich im Ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg werden die Hauptverantwortlichen dieses Menschheitsverbrechens, das vom türkischen Staat bis heute geleugnet wird, durch ein Kriegsgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Die meisten von ihnen jedoch fallen der "Operation Nemesis" zum Opfer.
Eine "glänzend geschriebene Abhandlung" erblickt Rezensent Eberhard Seidel in Rolf Hosfelds Buch über den Völkermord an den Armeniern zwischen 1915 und 1917, dem 800.000 Menschen zum Opfer fielen - ein Genozid, dessen Existenz die Türkei bis heute bestreitet. Eberhard schildere "minutiös", auf welche Weise die Menschen getötet wurden, und benenne Täter und Profiteure. Er zeige, dass der Völkermord eine gigantische Enteignung und Umverteilung von Reichtum war - weg von den christlichen Minderheiten der Griechen und Armeniern hin zur muslimischen Majorität auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Seidel würdigt Hosfelds Buch auch als einen "wichtigen Beitrag" für die aktuelle Debatte in Deutschland, verdeutliche es doch, dass Deutschland, das zwischen 1914 und 1918 der wichtigste Verbündete der jungtürkischen Regierung und daher in den Genozid an den Armeniern verwickelt war, bei der noch ausstehenden Versöhnung zwischen Türken und Armeniern nicht abseits stehen kann. Und so schließt der Rezensent mit der Forderung, dass Deutschland "sich noch eingehender Rechenschaft über seine Mitverantwortung am Genozid ablegen" müsse.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.04.2005
In einer Sammelbesprechung behandelt Jörg Später drei Bücher zum Völkermord an den Armeniern, die ihn alle nicht zufrieden gestellt haben, wie er in meist knappen Bemerkungen zu Protokoll gibt. Bei Rolf Hosfeld "Operation nemesis" konstatiert er ein "gewisses Überengagement". Der Filmemacher und Journalist erzähle den Völkermord in Form eines Politkrimis und spare dabei nicht mit "kräftigen Worten". Dabei stört sich der Rezensent an fehlender Nüchternheit und einem Vokabular, das sich seiner Meinung nach zu sehr auf der Folie des nationalsozialistischen Holocausts bewegt: Von "Lebensraum", "Heim-ins-Reich-Politik", "Herrenrasse" und "Kristallnacht" ist die Rede.
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