Dieser Roman ist ein leidenschaftliches Plädoyer gegen den Totalitarismus - in welcher Gestalt auch immer. Eine Kindheit in Nazi-Deutschland, eine Jugend in der jungen DDR, ein Leben zwischen Anpassung und Verrat. In seiner großen Erzählung über das Werden und Scheitern des Jacob Kersting gelingt Rolf Schneider ein Roman, in dem sich Glaube und Irrtum des 20. Jahrhunderts spiegeln.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2010
Maria Frise ist enttäuscht von diesem Roman des in der DDR einst durchaus namhaften Rolf Schneider. Um ihr die letzten vierzig Jahre Geschichte zu vermitteln, hat der Held des Buches, ein sehr zögerlicher Kunsthistoriker namens Jacob Kersting, autobiografisch geerdet und durchaus sympathisch in den Augen Frises einfach nicht genug Kontur. So ergeht es der Rezensentin auch mit dem übrigen Personal, das durch Jacobs Gegenwart und durch seine Kindheit unterm Hakenkreuz geistert. Mit mehr Raum für die Figuren und mit mehr politischer Tiefe (anstatt bloßer Daten), meint Frise, hätte daraus ein interessanter Blick zurück in die DDR-Wirklichkeit werden können.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.08.2009
Etwas konstruiert erscheint die Geschichte um den passiven Kunsthistoriker Kersting der Rezensentin. Dabei schätzt Franziska Augstein den Autor ansonsten ganz und gar nicht gering. Augstein lobt Rolf Schneiders sprachliche und erzählerische Fähigkeiten, sein Gespür für Tempo und sein "schönes" Deutsch. Dass die wechselweise von Kerstings Kindheit in der Nazizeit und von einem Arbeitsaufenthalt im Wien des Jahres 1988 erzählende Story nicht so richtig in die Gänge kommt, liegt laut Augstein an zweierlei: An dem unmotivierten "Abklappern" historischer Daten und dem gleichfalls nicht zwingend erscheinenden Auf- und Abtreten des Personals. Lebendigkeit, meint Augstein, kommt auf die Weise nicht zustande.
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