1963 dringt das Wort "Auschwitz" mit Wucht in deutsche Wohnzimmer. Gegen 22 ehemalige NS-Schergen wird Anklage erhoben, in Frankfurt beginnt ein Mammutprozess. Ein Mann hat diesen Prozess fast im Alleingang auf den Weg gebracht: Fritz Bauer, Generalstaatsanwalt in Hessen. Ein Sozialdemokrat jüdischer Herkunft, der 1936 gerade noch hatte fliehen können. Er ist es, der die deutsche Nachkriegsgesellschaft zum Sprechen bringt und Adolf Eichmann vor ein israelisches Gericht. Im restaurativen Klima der Adenauer Zeit wird der Jurist damit zur Reizfigur, der seine Zunft erzürnt und von allen Seiten angefeindet wird: "Wenn ich mein Büro verlasse, betrete ich feindliches Ausland", so beschreibt er seine Lage. Ronen Steinke erzählt das Leben des Mannes, der mit seiner Courage ein ganzes Land veränderte.
Dem Initiator des Auschwitz-Prozesses scheint mit diesem Buch späte Gerechtigkeit zu widerfahren, stellt Alexandra Senfft fest. Das liegt für Senfft an der sensiblen Art und Weise, mit der der Jurist und Journalist Ronen Steinke Fritz Bauers Leben und Arbeit dem Leser vorstellt. Neues erfährt Senfft über Bauers Exilzeit. Vor allem aber beeindruckt sie Steinkes Darstellung des brillanten Generalstaatsanwalts und dessen politischer Scharfsinnigkeit, die etwa darin bestand, wie die Rezensentin lernt, dass Bauer den Gerichtssaal als Ort der Geschichte und des Geschichtsverständnisses begriff.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2013
Gefesselt und mit Sympathie hat Rezensentin Sabine Fröhlich diese Biografie gelesen, die Ronen Steinke dem faszinierenden Juristen Fritz Bauer widmet, der 1963 als hessischer Generalstaatsanwalt die Auschwitzprozesse gegen 22 mutmaßliche NS-Täter angestrengt hatte, darunter gegen Robert Mulka, den Stellvertreter von Lagerkommandant Rudolf Höß. Sehr deutlich wurde der Rezensentin, wie allein auf weiter Flur der Jurist, Sozialdemokrat und remigrierte Jude Bauer mit seinem Willen stand, die nationalsozialistischen Verbrechen strafrechtlich und historisch aufzuarbeiten. Inwieweit Steinke in seiner Biografie Neues präsentiert, lässt Fröhlich offen, bemerkt aber, dass der Autor keine Hinweise auf einen unnatürlichen Tod Bauers gefunden hat, vielmehr in seinem Sterben das Drama eines einsamen Menschen erkennt.
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