Rudolf A. Mark schildert in seinem neuen Buch kaum bekannte deutsche Aktivitäten in Zentralasien während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Die muslimischen Völker der Region sollten während des Ersten Weltkriegs auf oft abenteuerlich erscheinende Weise zum Dschihad gegen Russland und Großbritannien aufgestachelt werden. Eine deutsche Geheimmission ins unter britischem Einfluss stehende Afghanistan war Teil dieser Bestrebungen. Auch Zehntausenden in Russisch-Turkestan inhaftierter österreichisch ungarischer und deutscher Kriegsgefangener war eine Rolle in den Aufstandsplanungen zugedacht. Nach der Oktoberrevolution versuchten deutsche Politiker und Militärs, die nach Autonomie und Unabhängigkeit strebenden Muslime zwischen Wolga und Hindukusch zur machtpolitischen Eindämmung Russlands und zum weltwirtschaftlichen Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Kriegsende zu instrumentalisieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2014
Neben bekannten deutschen Quellen konnte Rudolf A. Mark für seine Arbeit über die Rolle der Deutschen in Zentralasien und am Hindukusch zwischen 1914 und 1924 auch usbekische und russische Archive auswerten. Laut Hans Jochen Pretsch ein Gewinn, da er so nicht nur der Aufbau der Nachrichtenstelle Orient beim AA rekonstruieren kann, sondern auch den Mangel an Solidität solcher Unternehmen nachweisen kann. Pretsch lernt, dass es vor allem um Profit ging. Die Studie findet er detailreich, farbenfroh, anregend, aber mitunter auch widersprüchlich.
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