Von den kindlichen Abenteuern des 1926 Geborenen über seine Zeit als Panzerrichtschütze der Waffen-SS in Nordfrankreich zu den historischen Rekonstruktionen von Stefan Scheil, Ernst Nolte und Peter Furth: Kreis bezieht seinen Maßstab für Gut und Böse nicht aus der Hoffnung auf geschichtsmächtige Potenzen, sondern aus genauem und demütigem Erleben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.06.2009
Als wichtige Ergänzung zu den Erinnerungsbüchern von Günter Grass und Martin Walser liest Jan Assmann die "Lebenserzählung" von Rudolf Kreis. Kreis' Anliegen versteht Assmann als Versuch eines Vertreters der 45er-Generation, die in die eigene Biografie eingeschriebene Verstrickung in die NS-Zeit (wie Grass war Kreis bei der Waffen-SS) und die spätere "radikale Umkehr" (bei Kreis über Nietzsche-, Goethe- und Hölderlin-Lektüren) wie in einem Laborversuch festzuhalten. So typisch Assmann die hier geschilderten Erfahrungen erscheinen, so bedeutsam findet er ihre nachträgliche Reflexion durch den Autor. Was dabei herauskommt, historische "Unheilszusammenhänge" (Christentum, Marxismus, Erster Weltkrieg), ein multikausales Geschichtsverständnis, hat für Assmann nichts von einer bequemen Rückschau. Kreis' Verzicht auf literarische Stilisierung, sein Bemühen um Präzision machen ihm die Lektüre zu einer physischen Erfahrung.
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