War es anfangs noch Unwissen, das Menschen und Regierungen dazu brachte, ganze Landstriche unbewohnbar zu machen (Bikini, sowjetische Testgelände, Nevada), bizarre Versuche vorzunehmen oder zu planen (die Erzeugung künstlichen Wetterleuchtens oder die Sprengung eines zweiten Panama-Kanals mittels 300 Atombomben) oder immer größere, gefährlichere und wahnsinnigere Waffen zu bauen (Atombombe, Wasserstoffbombe, Kobaltbombe), so liegt heute die Gefahr in der schieren Menge im Umlauf befindlichen atomaren Materials, von dem man oft gar nicht mehr weiß, wo es sich überhaupt befindet. Neben einer irgendwo im Eis vor Grönland verlorengegangenen Wasserstoffbombe fehlen laut Schätzungen weitere 30-40 Kernwaffen, und in Kasachstan liegen auf einem riesigen Testgelände verstreut viele Kilo waffenfähiger Stoff frei herum. Rudolph Herzog zieht jetzt erstmals Bilanz - er beschreibt die kurze, aber verheerende Geschichte des Umgangs der Menschen mit atomarem Material.
Befremdet und fasziniert referiert Christiane Grefe einige der Episoden, die Rudolph Herzog unter dem Untertitel "Irrsinn aus dem Atomzeitalter" zusammengetragen hat: Den Krebstod von John Wayne und weiterer 92 Crewmitglieder des Films "The Conquerer", der in der verstrahlten Wüste von Utah gedreht wurde etwa, die sorglosen Pläne des Physikers Edward Teller zum Einsatz von Atombomben bei größeren Bauprojekten oder das aus einem verlassenen Krankenhaus in Brasilien entwendete Strahlentherapiegerät, mit dem ein argloser Schrotthändler den Tod von vier Menschen und die Erkrankung vieler weiterer verursachte. Aus den Atomtests der sechziger Jahre zieht die Rezensentin die Lehre, sich vor "abgelegenen Paradiesen" zu hüten. Gut recherchiert und differenziert in der Darstellung entwirft Herzog ein "Panoptikum von Kollateralschäden", dessen Lektüre "so informativ wie gruselig unterhaltsam" ist, befindet die Grefe.
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