Rüdiger Görners Zweig-Monografie führt vor Augen, wie vielfältig das Werk dieses habsburgischen Europäers und Weltbürgers ist und wie sehr seine Produktivität zu erstaunen vermag. Görner sieht bei Stefan Zweig eine große Sicherheit in der sprachlichen Komposition, eine Artistik der Erzählstrukturen und Virtuosität im Umgang mit dem Material am Werk. Dabei leuchtet er unbekannte Aspekte des Oeuvre ebenso aus, wie er die Sammelleidenschaft und ein umfassendes Projektdenken als Grundlagen des Zweigschen Schaffens definiert. Beruhend auf einer über dreißig Jahre langen Auseinandersetzung mit diesem Autor macht Görner klar, dass sich das Phänomen Zweig nicht ausreichend mit einem "leicht zugänglichen" Schreiben erklären lässt, mit der klischeehaften Kritik an einer Fixiertheit auf den schriftstellerischen Erfolg. Rüdiger Görner befragt vielmehr Zweigs Ästhetik sowie sein poetisches Geschichtsbild und Selbstverständnis als Autor. Zweig war ein "engagierter" Schriftsteller in einem literarpolitischen Sinn und behielt doch die Souveränität, sich als Schriftsteller keiner politischen Richtung zu verschreiben - nur jener der Humanität.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.08.2013
Angetan zeigt sich Beatrice von Matt von Rüdiger Görners Band über Stefan Zweig. Er würdigt ihn als Kosmopolit, Protagonist europäischer Kultur und hervorragenden Schriftsteller. Görners Studien belegen für sie einmal mehr, dass es sich lohnt, Zweig wieder zu lesen. Sie attestiert dem Literaturwissenschaftler ausgezeichnete Beiträge über die Reiseprosa, die Lyrik, das novellistische Erzählen, die Libretti, das humanistische Denken Zweigs. Besonders hebt sie Görners Akzentuierung von Zweigs Interesse an der Kunstproduktion und am schöpferischen Akt hervor, die ihn zu einem "unvermutet aktuellen Schriftsteller" mache.
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