Volker Weidermann

Ostende

1936, Sommer der Freundschaft
Cover: Ostende
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2014
ISBN 9783462046007
Gebunden, 160 Seiten, 17,99 EUR

Klappentext

Stefan Zweig reist mit seiner Geliebten Lotte und der Schreibmaschine an, Joseph Roth kommt trotz Schnapsverbot, um Ferien mit seinem besten Freund zu machen und zu schreiben. Er verliebt sich ein letztes Mal: in Irmgard Keun, die bloß wegwollte aus dem Land der Bücherverbrenner. So sonderbar die Freundschaft zwischen dem Millionär Zweig und dem begnadeten Trinker Roth ist, so überraschend ist die Liebe zwischen Roth und der jungen, leidenschaftlichen Keun. Es kommen noch mehr Schriftsteller nach Ostende. Sonne, Meer, Getränke es könnte ein Urlaub unter Freunden sein. Wenn sich die politische Lage nicht täglich zuspitzte, wenn sie nicht alle verfolgt würden, ihre Bücher nicht verboten wären, wenn sie nicht ihre Heimat verloren hätten. Es sind Dichter auf der Flucht, Schriftsteller im Exil. Präzise, kenntnisreich und mitreißend erzählt Volker Weidermann von diesem Sommer kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, in dem Zweig, Roth und Keun noch einmal das Leben feiern, wie es nur die Verzweifelten können.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.07.2014

Ausgezeichnet unterhalten und bestens informiert fühlt sich Karl-Markus Gauß durch Volker Weidermanns Roman "Ostende" über den literarischen Freundeskreis um Stefan Zweig und dessen letzten Sommer, 1936, im belgischen Küstenort Ostende. Es geht, erfahren wir von Gauß, um das Gefühl, noch einmal unter Freunden das Glück zu erfahren und unbeschwert zu leben, bevor die einen in den Spanischen Bürgerkrieg oder ins Exil und die anderen in den Tod gingen; keiner aber wirklich wieder 'nach Hause'. Ein "Abschiedsfest der europäischen Kulturen" nennt Gauss das, an dem Joseph Roth, Egon Kisch, Otto Katz und Klaus Mann teilnahmen und das Weidermann dank seiner peniblen Recherche fundiert nachzuzeichnen versteht. Und der Leser nimmt daran Teil.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.07.2014

Volker Weidermann hat eine kleine Passage aus dem Leben Stefan Zweigs aufgetan, die von sämtlichen Zweig-Biografen bisher weitestgehend ignoriert worden ist, berichtet Andreas Isenschmid: einen Sommerurlaub 1936, wo sich im belgischen Seebad Ostende damals die halbe deutsche Literatur tummelte. Aus dieser Konstellation hat Weidermann in "Ostende 1936" eine feine historische Erzählung gebastelt, wie sie Zweig gefallen hätte, vermutet der Rezensent. Mancherorts montiert Weidermann, was er in Briefen oder anderem Material entdeckt hat, mit einer "Wünschelrute für erstklassige Zitate", anderes wird sich auf überlieferte Ereignisse stützen, wie etwa auf die gegenseitige Schreibhilfe, die sich Zweig mit seinem Freund Joseph Roth leistete, manches mag schließlich fabuliert sein - aber wer wollte es dem Autor bei so viel Lesespaß verübeln?, fragt sich Isenschmid.

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