Die Orientalistik gilt heute als exotisches Orchideenfach. Dieses Urteil kursierte bereits im 19. Jahrhundert. Trotzdem gehörte das Fach bis zum Ersten Weltkrieg zur festen Grundausstattung der Philosophischen Fakultäten. Die vorliegende Studie geht daher der Frage nach, wie es der Orientalistik in Deutschland gelang, sich im Geflecht von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit an den Universitäten nicht nur zu etablieren, sondern langfristig zu verankern. Wie gingen die deutschen Orientalisten mit dem Vorwurf um, eine "Luxuswissenschaft" zu sein, und worin begründete sich dieser?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.11.2004
In ihrer "exzellenten Studie", so der mit "wgs" zeichnende Rezensent, zeichnet Sabine Mangold die Geschichte der europäischen Orientalistik zwischen 1800 und 1914 nach und macht deutlich, welche Sonderstellung dabei die deutsche Orientalistik einnimmt. In der Tat, so der Rezensent, sei die deutsche Beschäftigung mit dem Orient mehr im Sinne eines "von Politik und Macht freien Strebens nach humanistischer Aufklärung" verlaufen, im Gegensatz zu den eher "kolonialen Zielen" der französischen oder britischen Orientalistik. Diese deutsche Besonderheit spiegele sich zum Beispiel auf der zum 25-jährigen Bestehen der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft angefertigten Medaille: "Die eichenbekränzte Germania reicht die Fackel der Wahrheit dem muskulösen Orientalen, der, unter seiner Palme auf einem Löwen dösend, erwacht." Hier werde der Orientale nicht "gebieterisch verklärt, feminisiert und penetriert", wie es außerhalb Deutschlands der Fall war. Was allerdings zu kurz kommt, so der einzige Kritikpunkt des Rezensenten, ist der Wandel, der mit 1914 einsetzt, als die Islamforschung mit aufrührerischen Wissenschaftlern wie Carl Heinrich Becker ihre Unschuld verliert.
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