Safae el Khannoussi

Oroppa

Roman
Cover: Oroppa
Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN 9783446284746
Gebunden, 352 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen vpn Stefanie Ochel. "Oroppa" ist der europäische Roman der Stunde: Salomé Abergel, eine jüdisch-marokkanische Künstlerin und ehemalige politische Dissidentin, verschwindet überraschend auf dem Höhepunkt ihres Ruhms. Ein loser Kreis von Außenseitern mit ganz unterschiedlichen Migrationsgeschichten begibt sich auf ihre mysteriöse Spur. Von Salomés verlassenem Haus in Amsterdam führen die Wege nach Paris, Tunis, Casablanca - und tief ins Herz der eigenen Sehnsüchte. 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.05.2026

Rezensent Timo Posselt hält den Debütroman der niederländisch-marokkanischen Schriftstellerin Safae el Khannoussi für widerspenstig und großartig. Zu lesen, wie die Autorin die Geschichte einer untergetauchten Künstlerin mit allerhand Nebensträngen ausstattet, die etwa in Amsterdamer Kifferkaschemmen spielen oder im Pariser Belleville, in Casablanca oder Tunis, findet Posselt höchst unterhaltsam und auch fordernd. Es gibt Hermetisches und abgefahren Philosophisches, Historisches und scharfen Spott. Für Posselt steht die Autorin damit in den Fußstapfen des postkolonialen Erzählens eines Mohamed Mbougar Sarr, wenngleich das labyrinthische Erzählen auch an Bolano erinnern kann. Stark übersetzt wurde der mitunter sehr plastische Text von Stefanie Ochel, lässt uns ein begeisterter Posselt wissen. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.03.2026

Rezensent Stefan Michalzik zeigt sich uneingeschränkt begeistert von diesem Debüt der marokkanisch-niederländischen Schriftstellerin und Philosophie-Dozentin. Der Text dreht sich um die Leerstelle eines plötzlichen Verschwindens, stellt der Kritiker fest. Im Jahre 2010 trifft die gefeierte, jüdisch-marokkanische Künstlerin Salomé unerwartet auf den Polizisten, der sie im Marokko der Achtziger unter dem Regime von König Hassan II. gefoltert hat, und verschwindet danach spurlos, lässt uns Michalzik wissen. In abwegigen, durchweg spannend erzählten Seitensträngen rankt sich die Handlung um die Aufklärung ihres Aufenthalts und ergründet dabei die auf unterschiedliche Arten zerstörten Träume ihrer in "existentiellen Grenzbereichen" lebenden Figuren, freut sich der Kritiker. In dem sprunghaften, dezentrierten und von Dokumenten angereicherten Erzählfluss des Textes erkennt Michalzik das Motiv der Beziehung zwischen Opfer und Folterer, das dadurch multiperspektivisch gekonnt beleuchtet wird. Eine Wucht, eine "Entdeckung", jubelt der Rezensent. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.03.2026

Rezensentin Christiane Lutz hat sich von der niederländisch-marokkanischen Philosophie-Dozentin Safae el Khannoussi in einen Leserausch versetzen lassen: In atemloser Begeisterung folgt Lutz der Erzählerin durch diesen chaotischen Roman, der seinem Publikum wie eine Zirkusrevue eine Nummer nach und neben der anderen auftische, die am Ende aber doch ein schlüssiges Ganzes ergeben. Es geht um eine verschwundene Künstlerin im Exil und ihren einstigen Folterer, skizziert Lutz die Handlung, aber auch um die Liebesgeschichte zwischen ihrem Sohn und ihrer Galeristin. Dazu kommen eine Reihe abwegiger Gestalten von den Rändern Europas, deren Blick auf den Kontinent nicht mehr von der Hoffnung geleitet ist, eines Tages dazuzugehören. So ganz sicher scheint die Rezensentin nicht zu sein, was ihr mit diesem Roman widerfahren ist, am Ende fühlt sie sich an die anstrengenden, aber auch betörenden Filme Baz Luhrmanns erinnert. Die Leistung der Übersetzerin Stefanie Ochel ringt ihr allergrößten Respekt ab.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.03.2026

"Wenn die neue europäische Literatur so aussieht, dann bitte mehr davon", jubelt Rezensent Mladen Gladic in seiner allerdings sehr knappen Besprechung. Die mit Krimi-Elementen versehene Geschichte, die ihn durch quer durch Europa auf der Suche nach der jüdisch-marrokanischen Künstlerin Salome schickt, gelingt es, trotz üppigem Personal und "verschlungenen" Handlungen keine Seite an Sogkraft zu verlieren, staunt der Kritiker, den der Roman mitunter an die Werke von Wajdi Mouawad erinnert. Und Stefanie Ochels Übersetzung ist frisch und "gewitzt", ergänzt Mladic.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 27.02.2026

Rezensent Maximilian Mengeringhaus liest mit "Oroppa" einen durchaus achtbaren Debütroman. Den ganzen Medienwirbel um das Buch und seine Autorin kann er jedoch nicht nachvollziehen. Die niederländische Autorin el Khanoussi erzählt darin vom Verschwinden der renommierten Künstlerin Salma und einer anschließenden Spurensuche, welche die Zurückgelassenen in die "Gewaltgeschichte Nordafrikas" führt und den Blick freilegt auf ein ganz anderes Europa, als das ihnen vertraute, Europa aus postkolonialer Perspektive. Statt jedoch bis auf die tieferen Schichten des Verhältnisses zwischen den Kontinenten durchzudringen, schweift dieser Blick lediglich an der Oberfläche, stellt Mengeringhaus fest. So handelt es sich im Grunde genommen bei diesem Roman um einen ziemlich herkömmlich erzählten "Spürnasenplot", der immer wieder tief in die Klischee-Kiste greift und sämtliche Genrekonventionen bedient, einschließlich Tagebuchfiktion, unzuverlässiger Erzählerin, und einem sinistren Stadtteil voll angemessen "schräger Vögel" . Wirklich stark findet der Rezensent nur den zweiten Teil des Buches, indem el Khanoussi sich dem Folterknecht Yousef zuwendet. Die Nüchternheit, mit der el Khanoussi hier erzählt, tut dem Text gut, wird jedoch leider in den übrigen drei Teilen nicht durchgehalten, so der abwägende Rezensent.

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