Im Paradies

Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783737102353
Gebunden, 160 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Polnischen von Olaf Kühl. Dorota Masłowskas Figuren - ein Macho-Banker auf Aufreißtour, ein Werbefilmer im Koksrausch, ein angelnder Junge und eine Schwimmerin in Seenot, zwischen denen eine magische Verbindung entsteht, eine Frau, die in einem schäbigen Hotel in totaler Selbstentblößung zu sich findet - leben in einer Welt voller Schein und Einsamkeit, und doch werden sie im "Paradies" zu tiefen Charakteren. Dorota Masłowska spürt kulturellen Mustern und Klischees nach, die eine künstliche Welt erschaffen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.02.2026
Rezensent Franz Haas ist großer Fan von Ex-Rapperin Dorota Maslowska, die nicht nur in Polen längst ein Literaturstar ist. Entsprechend erwartungsvoll stürzt er sich auf den neuen Roman, der eher ein Prosareigen ist, wie Haas erklärt. Und der Kritiker wird nicht enttäuscht: Auch dank der kunstfertigen Übersetzung von Olaf Kühl wird er von Maslowska in die schmuddeligsten Winkel von Warschau geschleudert, wo Familien im Plattenbau bei Pizza, Bier und Joints vom "erfüllten Leben ohne Gluten" träumen, junge Frauen sich ritzen und Influencerinnen sich im Netz verlieren. Der Kritiker kann gar nicht genug Superlative finden: Nicht nur wie die Autorin auf prall gefüllten 150 Seiten Schicksale verzahnt, das Seelenleben ihrer abgehängten Figuren präzise, aber nie zynisch ausleuchtet und ein "gleißendes Gesellschaftsbild" des modernen Polens entstehen lässt, haut ihn um. Vor allem ist es der Sound, atemlos, derb und doch elegant "tänzelnd", der den Kritiker einmal mehr tief beeindruckt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 05.02.2026
Für den Rezensenten Tino Schlench ist Dorota Maslowska die "Königin des Drecks" in der polnischen Literatur, all ihre Figuren stehen nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens, so auch im neuesten Prosaband, der nicht ganz zutreffend, wohl aus Marketinggründen, als Roman verkauft wird. Die tristen, abgehängten Figuren in diesem starken Band sind wie gewohnt überspitzt, so komisch wie erschreckend: Ein Junge spült sich etwa die Kanalisation herab, eine Frau verfolgt ihren Ex-Geliebten in Monster-Form, ein Barmann ärgert sich über die sinnentleerten Leben seiner Kundschaft, resümiert Schlench. Er erklärt, dass einige der Geschichten über wieder auftretende Figuren und Motive miteinander verbunden sind, aber vor allem durch den unnachahmlichen Sound einer Autorin, die etwa über den Januarregen schreibt, er tröpfele "wie die abgehängte Decke in einem Swingerclub mit Wasserschaden". Dass die finale, quasi alle Geschichten integrierende Erzählung nicht überzeugt, kann der Kritiker dabei gut verschmerzen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 28.01.2026
Rezensentin Meike Feßmann liest einen kurzen, tollen Roman. Die Autorin, Dorota Masłowska, siedelt ihn in Warschau an, das hier allerdings etwas Unwirkliches, Unterweltliches hat. Bevölkert ist er von Figuren wie einem Studienabbrecher, der sich durch die Stadt vögelt und auch Abflussrohre unsicher macht oder einer Frau, die aufgrund ihres "Impostor Syndroms", also sie jäh überkommende Zweifel daran, dass sie wirklich schwimmen kann, ertrinkt. Koks-Parties kommen auch vor, insgesamt fühlt sich Feßmann an David Lynch erinnert. Alles strömt in diesem Buch, und dann dringt auch noch jede Menge Lifestyle-Vokabular in den Sprachfluss. All das fügt sich, heißt es zum Schluss, zu einem wunderbaren "Roman über die skurrile Sehnsucht nach dem besseren Leben".