Sarah Kirsch

Islandhoch

Tagebruchstücke
Cover: Islandhoch
Steidl Verlag, Göttingen 2002
ISBN 9783882438338
Gebunden, 104 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Mit 42 Aquarellen. Vier Leute reisen nach Island: der Meister und Margarita, Max und die Berichterstatterin. Sie erkunden die Gegend, heben allerhand Fundstücke auf, betrachten Bärlapp-Auen und allerliebste Baby-Geysire. In Trollbrote beißen sie nicht hinein, das sind Steine. Lavawüsteneien liegen da wie Stachelbeerkuchen mit Decke. Über das unwegsame Gelände am sagenumwobenen Snaefellsgletscher geht es mit Pferd und Gottvertrauen ...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.01.2003

Vor zehn Jahren begab sich Sarah Kirsch auf Expedition, erzählt Sybille Birrer, bestieg ein Containerschiff und reiste mit drei Freunden nach Island. Ihre Tagebuchskizzen changieren zwischen Natureindrücken, die Kirsch mit dem ihr eigenen "Pointillismus aus Farbbeschreibungen und Faunakunde" festhält, so Birrer, sowie eher saloppen Formulierungen, die von der Begeisterung der Autorin herrührten. Ihr ging teilweise einfach die Feder durch, freut sich Birrer und spricht von "kullernden Notaten" statt meditativer Naturlyrik. Im übrigen ließen sich an diesem Prosaband nicht nur die unterschiedlichen Tonlagen dieser Autorin bewundern, sondern auch die verschiedenen Grade ihrer sprachlichen Verwandlung von Wahrnehmung in Sprache nachvollziehen. Kirsch hat, so Birrer, auch andere Expeditionsberichte gelesen und beschreibt ihren skurrilen Besuch bei dem mittlerweile verstorbenen isländischen Nobelpreisträger Haldor Laxness, der an Alzheimer erkrankt war. Unterlegt sind die Reisenotate durch Aquarelle von Sarah Kirsch, die trotz ihrer Schönheit und Lebendigkeit mit der sprachlichen Intensität des Berichts für Birrer nicht gleichziehen können.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2002

Die Autorin hat Island 1992 bereist und die Eindrücke in Form ihrer Tagebucheinträge und Aquarelle veröffentlicht. Rezensent Tilman Spreckelsen rühmt diese Mischung. Die Texte sind "Notizen, die in sich gerundet, aber doch dem unmittelbaren Erlebten geschuldet sind", erläutert er. Außerdem hat er bemerkt, dass sich die bizarre Landschaft Islands nicht nur in den Bildern niederschlage, denn gelegentlich könne die Autorin "der archaischen Landschaft nur mit Satzkonstruktionen" begegnen, "die aus der Welt der Brüder Grimm zu stammen scheinen". Teilweise wiederum berichte die Autoren sehr stenographisch. Außerdem hat der Rezensent bemerkt, dass ihre Notizen je nach Wetter, Tageszeit oder Anstrengung einer Wanderung unterschiedlich verfasst sind - Einträge bei Regen etwa seien oft kurz und knapp. An den Texten, deren Sprache "zwischen schnoddrig und geziert, zwischen Stakkato und Elegie" changiere, hatte der Rezensent also seine Freude - über die Aquarelle erfährt man nichts.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2002

Als "Buchkunstwerk" preist Rolf-Bernhard Essig diesen Band mit Reisenotizen aus Island, die mit eigenen Aquarellen der Lyrikerin illustriert sind. Der Rezensent scheint von dem "Enthusiasmus", den Kirsch der Landschaft, der Flora und Fauna und den Menschen und Städten Islands entgegenbringt, ziemlich beeindruckt zu sein, wobei er manchmal schon fast "begeisterte Sinnesverwirrung" bei den hingerissenen Beschreibungen der Autorin vermutet. Den Verlag lobt er sehr für das "gut gemachte" Buch. Nur ungern, so gesteht er, hat er am Ende den Band aus der Hand gelegt.
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