Ist das noch mein Land? Diese Frage stellt sich Sarah Levy, seit sie erlebt, wie Israels rechtsnationale Regierung die israelische Gesellschaft spaltet. Dann attackiert die Hamas das Land am 7. Oktober 2023. Auf brutale Weise ändert der Krieg das Leben, das die junge Mutter in Tel Aviv führt. Sie flieht mit Partner und Kind in ihre Heimat Frankfurt und muss dort erkennen, dass Deutschland nicht mehr ihr Land ist. Doch das Israel, in das sie zurückkehrt, kämpft um seine Seele. Freunde tragen plötzlich Waffen, Verwandte wünschen Palästinensern die Auslöschung, Nachbarn unterstellen ihr, die Soldaten zu verraten. Der Kriegsalltag zwischen Schutzbunker und allgegenwärtigem Verlust führt Levy an ihre Grenzen - als Mutter und als Partnerin, aber auch als Deutsche, die jetzt verstehen muss, dass das Land, das sie zum Leben gewählt hat, die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft mit den Palästinensern schon lange verloren hat. Wer wird mein Sohn, fragt sie sich, wenn er hier aufwächst?
Rezensentin Victoria Eglau ist mitgenommen von den Beobachtungen der deutschen Journalistin Sarah Levy über die Auswirkungen der Hamas-Angriffe in Israel. Seit 2019 in Tel Aviv ansässig, floh Levy am 7. Oktober vor den Angriffen für einige Wochen nach Deutschland, kehrte jedoch bald darauf nach Israel zurück. Ihr Leben dort ist seitdem von Zwiespältigkeiten durchzogen, bemerkt die Kritikerin. Einerseits beschreibt Levy mit eindrücklichem Mitgefühl die tiefe Unruhe der israelischen Gesellschaft, andererseits zeige sie sich resigniert angesichts des wachsenden Einflusses nationalistischer Stimmen und der gewaltsamen Besetzung palästinensischer Gebiete. Bemerkenswert und nahbar findet Eglau die kluge Sensibilität, mit der Levy offen ihre ambivalenten Gefühle etwa über die "Trennmauer aus Trauma und Misstrauen" zwischen Israel und Palästina erfassen kann, die eine friedliche Koexistenz, nach der sich die Autorin sehnt, verhindert. Levys Aufzeichnungen sind für die Kritikerin der Beweis für die noch anhaltende Vielstimmigkeit Israels, die einfaches "Schwarz-Weiß-Denken" auflöst.
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