Max Schmeling stirbt. Es gibt nichts mehr, woran er festhalten könnte: Sein Leben als Box-Legende, die Menschen, die ihn begleitet haben, seine Frau Anny Ondra, alles ist längst verloren. Nur eine Krankenschwester ist bei ihm in diesen letzten Tagen in seinem Haus im Wald. Jahre später steht dieses Haus immer noch leer, verwahrlost und zugewachsen. Ein Sachverständiger soll entscheiden, was damit nun geschieht, deshalb macht er sich eines Tages auf den Weg zu diesem Haus im Wald. Aber was als Besichtigung beginnt, gerät außer Kontrolle. Während er sich dort verkriecht, nimmt seine Frau zuhause einen ganz anderen Kampf auf und trennt sich von einem Leben, das es schon lange nicht mehr gibt.
Mit merklicher Bewegung berichtet Rezensent Björn Hayer über diesen zweiten Roman Saksia Hennig von Langes, deren Debüt "Alles, was draußen ist" aus dem Jahr 2013 er wunderbar nennt. Hier verflicht die Autorin die Geschichte Max Schmelings und seines verwahrlosten Berliner Hauses offenbar sehr gekonnt mit der Geschichte eines Paars, das nach dem Tod des Sohnes gegen seine Traurigkeit und die Verwahrlosung seiner Beziehung kämpft. Das bringe den Roman zu einer Bernhardschen Suada", in der es doppelt - bei dem Paar, aber auch bei dem Melancholiker Schmeling - um Trauerarbeit gehe. Das Boxen spielt offenbar nur im Hintergrund eine Rolle, als Symbolbild des Lebenskampfes.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.10.2014
Mit "Zurück zum Feuer" legt Saskia Hennig von Lange nun ihren ersten Roman vor, und Rezensent Nico Bleutge ist schlichtweg begeistert. Denn auch die Romanform schmälert nicht das Vermögen der Autorin ein "dichtes Gestrick" aus Erzählsträngen, Perspektiven und Atmosphäre zu weben, lobt der Kritiker: Er folgt hier nicht nur dem Sachbearbeiter für Bauangelegenheiten, Max, der wortlos verschwindet, um in einem Haus im Wald den Nachlass Max Schmelings zu entsorgen, sondern auch seiner Frau Inge, die das Verschwinden des Mannes nutzt, um die gemeinsame Wohnung auszuräumen. Brillant vernetzt die Autorin die Perspektiven der drei auftretenden Figuren, lässt tief in ihre Biografien blicken und spült Verdrängtes an die Oberfläche, annonciert der hingerissene Rezensent, der nicht zuletzt Hennigs Sprachkunst würdigt, mittels derer sie Denken und Empfinden des Lesers bewegt.
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