Aus dem Russischen von Franziska Zwerg. Ein dunkles Geheimnis schweißt sie zusammen - Enkel und Großvater sind unzertrennlich. Doch dann stirbt der Großvater. Der Enkel reist in dessen Vergangenheit und findet nördlich des Polarkreises eine grausame Wahrheit. Im stalinistischen Russland war der Großvater Kommandant eines Gefangenenlagers. Wie konnte er all die Jahre mit dieser Last auf seinen Schultern leben? Rettete ihn seine tiefe Liebe zum Enkel? Lededew erzählt von Russlands Hölle, einem Ort, an dem das Leben endet und das Sterben ewig weitergeht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.09.2013
Zutiefst beeindruckt hat Ulrich Rüdenauer das neue, von Franziska Zwerg herausragend übersetzte Buch des russischen Schriftstellers und Geologen Sergej Lebedew gelesen. In "Der Himmel auf ihren Schultern" folgt der Rezensent einem jungen Mann, der sich, nachdem sein Großvater nach einer Blutspende für ihn verstorben ist, auf die Spuren des alten Mannes begibt und erkennen muss, dass sein Lebensretter Lagerkommandant im Gulag gewesen ist. In apokalyptischen und "expressiven" Sprachbildern erlebt der Rezensent in den überwucherten Überresten der sowjetischen Straflager das einstige Grauen, das sich hier noch in verwesten und erfrorenen Leichenbergen offenbart. Dankbar ist Rüdenauer insbesondere für Lebedews mutiges Unternehmen, die fast verdrängte Geschichte des stalinistischen Terrors wieder ins Bewusstsein zu rufen. Und so verzeiht er dem Autor gern die bisweilen allzu pathetische, "metapherntrunkene" Sprache und empfiehlt diesen aufrüttelnden Roman ohne Einschränkungen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.07.2013
Das Potenzial, dem geschichtsvergessenen Putin-Land den Spiegel vorzuhalten, hat der Roman von Sergei Lebedew für Andreas Breitenstein allemal. Auch wenn es dem Autor nicht ganz gelingen will, wie Breitenstein einräumt, dem Horror ein Gesicht zu geben. Für den Versuch, das Schweigen über den Gulag zu brechen, hat Lebedew als Geologe im Nordosten Russlands und Stiefenkel eines Lagerkommandanten laut Rezensent dabei durchaus das Zeug. Das Buch liest Breitenstein als sprachmächtige, atmosphärische Meditation über Erinnern, Vergessen, Europa und sein Anderes, untermauert von Tiefenpsychologie und Geschichtsphilosophie und Mythologie und erfüllt von aufklärerischem Drang.
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