Juri Rytcheu

Der letzte Schamane

Die Tschuktschen-Saga
Cover: Der letzte Schamane
Unionsverlag, Zürich 2002
ISBN 9783293002999
Gebunden, 350 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Antje Leetz. Bis zurück zum ersten Menschen, der der Verbindung der Urmutter mit dem Wal entsprang, kann Jru Rytcheu seine Ahnenlinie zurückverfolgen. Seine Familiengeschichte ist zugleich die Saga des tschuktschischen Volks. Denn von Generation zu Generation wurden seit Anbeginn der Zeiten die Taten, Verdienste und Schicksalsschläge weitergegeben...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.06.2003

Karl-Markus Gauß ist richtiggehend berührt vom Schicksal der Tschuktschen, einem kleinen Volk an der Peripherie Sibiriens, um das es in diesem Roman geht. Geschrieben wurde das Buch von Juri Rytcheu, dem Enkel des letzten Schamanen, der 1946 von Stalin ermordet wurde. Seit die Tschuktschen vor 350 Jahren entdeckt wurden, mussten sie ständig um ihr Überleben kämpfen, angesichts des "fortwährendem Versuchs, sie bald nach kapitalistischem, bald nach kommunistischen Maß zu zivilisieren". Von der sich in zwei Teile gliedernden Erzählung Rytcheus ist Gauß begeistert: "Seine Prosa ist kunstvoll und weise zugleich", sein Roman macht den Leser "auf grandiose Weise mit Mythos und Realität, Aufstieg und Untergang einer Kultur bekannt, an deren Anfang der Wal und in deren Zentrum der Respekt vor der Natur stand", schwärmt Gauß. In den Augen des Rezensenten absurd ist der Umstand, dass ausgerechnet diesem Volk nun der Walfang verboten wurden, obwohl sie ihn nie industriell, sondern nur für den Eigenbedarf betrieben haben - insofern ist der Roman auch ein Abgesang auf eine sterbende Kultur.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.10.2002

Ulrich M. Schmid lobt die Verdienste des Unionsverlages Zürich um den 1930 geborenen Schriftsteller Juri Rytchëu. So habe der Verlag den nunmehr siebten Roman des Tschuktschen herausgebracht. Die Tschuktschen sind ein 12.000 Köpfe umfassendes Jägervolk "aus dem äußersten Nordosten Sibiriens" und Rytchëu ist ihr "erster Schriftsteller". Hatte sich Schmid in der Vergangenheit noch daran gestört, dass der Autor "seine Texte nicht mit dem notwendigen Selbstbewusstsein" verfasste, so vermeide der Autor nun "Schablonen" und gewinne dadurch an "literarischer Souveränität". Der Rezensent ist beeindruckt von der Konsequenz des "verfremdeten Blicks auf die europäische Welt". Gleichzeitig vermischt der Autor in seinem siebten Roman, wie Schmied meint, die Genres: Das Buch ist "gleichzeitig Schöpfungsmythos und Geschichtswerk, Bildungsroman und Biografie, ethnologisches Dokument und kulturkritischer Essay". Dabei gelinge es dem Autor "auf überzeugende Weise" eine Welt zu zeichnen, die "alle Verlockungen des westlichen way of life" hinter sich lässt.

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