Aus dem mexikanischen Spanisch von Petra Strien. Delfina Uribe schart in Mexiko-Stadt einen Kreis von Künstlern und Intellektuellen um sich. Ihre Wohnung gilt als Höhle revolutionärer Korruption: schwerer Schmuck, leichtes Geld, frivole Spiele. Als der österreichische Exilant Erich Maria Pistauer eines Abends im Jahr 1942 bei ihr tot aufgefunden wird, gibt sie an, ihn nicht gekannt zu haben. Nur der zehnjährige Miguel behält den Mord mitten im Zweiten Weltkrieg in Erinnerung und kehrt Jahrzehnte später nach Mexiko zurück um die Wahrheit zu erforschen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.09.2003
Rezensent Steffen Richter zeigt sich sehr angetan von Sergio Pitols Roman um Miguel del Solar, einen Professor für lateinamerikanische Geschichte, der die Ermordung des Österreichers Erich Maria Pistauer während eines Festes der mexikanischen Oberschicht im November 1942 aufklären möchte. Pitol schildere einen "prächtigen Umzug skurriler Gestalten", die vor allem im festen Willen verbunden seien, das Geheimnis vom Mord an dem jungen Österreicher zu bewahren. Dass es del Solar trotz aller Anstrengungen nicht gelingt, aus den unterschiedlichen Versionen eine zusammenhängende Geschichte zu bilden, verwundert Richter nicht weiter, da er selbst bei den unübersichtlichen Verwandtschaftsverhältnissen auch nicht mehr ganz durchblickt. Zur Freude des Rezensenten belohnt Pitol den Leser aber mit einem "poetisch fein ziseliertem Geschichtsbild": Solar scheitere zwar als Historiker, nicht aber als Schriftsteller. Als solcher setze er dem Großdiskurs der Geschichte, die nie ohne Begradigungen und gewaltsame Interpretationen zu haben sei, zahlreiche Biografien mit ihren ganz eigenen Motiven und Perspektiven entgegen. "Sie sind es", schließt der Rezensent, "die Pitol in seinem Roman auf bewundernswerte Weise bewahrt".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2003
Ein Menschenfreund ist dieser hierzulande erst spät entdeckte mexikanische Autor nicht, aber der Rezensent Uwe Stolzmann ist trotzdem ganz schön beeindruckt von Sergio Pitol. Das gilt für seine abwechslungsreiche und von der Liebe zu Büchern durchdrungene Biografie (die ihn unter anderem als Kulturattache nach Paris führte) ebenso wie für sein schriftstellerisches Tun. Wichtiger als die Handlung der Geschichte ist ihm "die Bühne" des Geschehens und auf ihr lässt er seine Protagonisten genüsslich scheitern: "der Autor exekutiert seine Figuren nicht einfach - er tut es mit Sadismus". Ein Misanthrop sei er, oder vielleicht auch nur jemand, den das, was er sieht, mit großer Skepsis erfüllt. In einer Szene des Buches meint der Rezensent jedenfalls das Lebensgefühl des Dichters zu erkennen: "Das gelobte Land des Dichters ... liegt jenseits der sichtbaren Bilder."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003
Karl-Markus Gauß hat den Roman, der bereits 1984 im Original erschienen ist, mit Vergnügen gelesen. Er würdigt den Autor als "sarkastischen Porträtisten" der gehobenen mexikanischen Gesellschaft, wobei er meint, dass die "Leidenschaft" Pitols für die Kultur Mitteleuropas auch dieses Buch beeinflusst hat. Darin wird 1942 ein Exilant aus Deutschland oder Österreich ermordet, und dreißig Jahre später unternimmt es ein mexikanischer Historiker, diesen Mord aufzuklären, fasst Gauß den Inhalt zusammen. Dabei amüsiert sich der Rezensent vor allem über die "unverkennbare Vorliebe" Pitols für "skurrile Charaktere", die bei der Befragung von Zeugen und Verwandten durch den Historiker in den Blick rücken.
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