Sergio Pitol

Die Reise

Ein Besuch Russlands und seiner Literatur
Cover: Die Reise
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783803136114
Gebunden, 152 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Christian Hansen. Der mexikanische Autor sieht auf das sich verändernde Russland und seine Literatur mit dem geschärften Blick des faszinierten Fremden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.06.2004

Ein Glücksfall für die Literatur, schwärmt Florian Borchmeyer: ein schreibender Diplomat, der seine Erinnerungen an eine Reise in die unterschwellig bereits brodelnde UdSSR zu einem literarischen Reisebericht kompiliert und darüber hinaus eine Geschichte der russischen Revolution aus Sicht der Künstler liefert. Zunächst einmal, betont Borchmeyer, sei Pitols Chronik ausgesprochen komisch und lese sich wie das Drehbuch zu einer Filmkomödie: ein mexikanischer Diplomat, der von Prag nach Tiflis aufbricht und in die absurde Maschinerie des Sowjetreichs mit ihren bürokratischen Hindernissen gelangt, die aus dem Diplomaten einen unfreiwilligen Elefanten im Porzellanladen machen. Pitol habe schon als Kind eine Vorliebe für die Sowjetunion gehegt, berichtet Borchmeyer, er fühlte eine "Seelenverwandtschaft", die er nun vor Ort zu ergründen sucht und dabei die Literatur- und Kunstgeschichte des Landes zu Hilfe ruft. Auch wenn Pitol gelegentlich einen Hang zur Belehrung und Überfrachtung der Leserschaft mit Bildungselementen beweise, steht für den Rezensenten außer Frage, dass sich die Mexikaner glücklich schätzen können, einen Autor zu besitzen, der ein großartiges Buch über die letzten Tage des Ostblocks verfasst hat.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.03.2004

Es ist eine Weile her, dass Sergio Pitol die haarsträubende Reise unternahm, von der er in seinem Buch berichtet, nämlich knapp zwanzig Jahre, doch Uwe Stolzmann ist froh, dass sie - dem Russland-Schwerpunkt in Frankfurt sei dank - überhaupt nacherlebt werden kann. Pitol, damals mexikanischer Botschafter in Prag, habe sich nämlich gerade rechtzeitig staunend durch die sowjetischen Literaturszenerie bewegt, als im Zuge von Glasnost alles möglich schien. So traf er tyrannische Funktionäre des Schriftstellerverbandes ("Erben der Leute, die Babel gefoltert und ermordet haben", nennt Pitol sie) wie auch in Georgien "Dichter auf einem fünf Stunden dauernden Bankett, die sich an schwarzem Wein betranken und in Gelächter ausbrachen, wann immer die Rede auf den 'sozialistischen Realismus' kam". Seltsam müsse ihm erschienen sein, vermutet Stolzmann, was heute nur noch ein Gemeinplatz der jüngeren Geschichte ist: die von Kraft und Verwirrung erzeugten "Schwingungen" des Neuen. Pitol, vom Rezensenten in den Rang eines "geborenen" Erzählers gehoben, verquicke diese Erlebnisse mit einer zweiten Reise, nämlich "zu Russlands klassischer Literatur und ihren Akteuren": Gegenwart wechselt sich ab mit Erinnertem und Gelesenem, "Anrührendes" steht neben "Grauenvollem". Ganze Reiche der Literatur, so Stolzmanns hohes Lob, passen in ein kleines Buch.

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