Sibylle Grimbert

Der Letzte seiner Art

Roman
Cover: Der Letzte seiner Art
Eisele Verlag, München 2023
ISBN 9783961611683
Gebunden, 256 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Sabine Schwenk. 1835: Der junge Zoologe Gus wird vom Naturhistorischen Museum in Lille nach Island geschickt, um die Fauna des Nordatlantik zu studieren. Dort wird er Zeuge eines Massakers an einer Kolonie von Riesenalken, einer pinguinähnlichen Vogelart. Gus kann einen der Vögel retten, ohne zu ahnen, dass er gerade das letzte Exemplar seiner Art geborgen hat. Er nennt ihn Prosp - und zwischen dem neugierigen Forscher und dem anfänglich misstrauischen Tier entsteht eine tiefe Freundschaft. Gus wird nach und nach klar, dass er womöglich etwas Einzigartiges und Unvorstellbares miterlebt: Das Aussterben einer Spezies. Was bedeutet es, ein Tier zu lieben, das es nie wieder geben wird? Gus entwickelt eine Obsession mit dem Schicksal seines gefiederten Freundes - eine Obsession, bei der alles andere auf der Strecke bleibt …

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2023

Rezensent Kai Spanke begibt sich mit Sibylle Grimberts Buch auf eine Reise in die Vergangenheit, genauer gesagt ins 19. Jahrhundert. Im Zentrum des Buchs steht eine Mensch-Vogel-Freundschaft. Der Mensch, Gus, ist ein Naturforscher, der Vogel ein Exemplar der damals vom Aussterben bedrohten und inzwischen tatsächlich ausgestorbenen Spezies des Riesenalks. Gus adoptiert einen dieser Vögel und redet mit ihm wie mit einem Menschen. Dabei handelt es sich jedoch nicht, betont Spanke, um eine unzulässige Vermenschlichung von Seiten der Autorin, sondern um die Innenperspektive der Figur. Gus hat, stellt der Rezensent dar, lediglich das Wissen seiner Zeit und kann sich zunächst nicht vorstellen, dass eine Tierart komplett aussterben könnte. Spanke freut sich, dass das Buch der Versuchung widersteht, wohlfeile Empörungsliteratur zum Ökodiskurs zu bieten. Es geht durchaus um das Verhältnis von Mensch und Tier, resümiert er, aber auf eine nicht belehrende, sondern berührende Art. Abgerundet wird der durchweg positive Eindruck für Spanke durch Sabine Schwenks elegante Übersetzung.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 24.08.2023

Zoologe Gus trifft im Jahr 1835 durch Zufall auf eine fast ausgestorbene Gattung Fisch, eine eierlegende Wollmilchsau mit der Bezeichnung Riesenalk, die völlig überfischt wird, und rettet das Leben des Meerestieres, verrät Rezensentin Undine Fuchs über Sibylle Grimberts Roman. Dessen Handlung erstreckt sich über viele Jahre und begleitet Tier und Mensch in ihrem wechselseitigen, auch von Schwierigkeiten geprägten Verhältnis, bei dem die Autorin immer wieder die Grenzen dessen auslotet, was fremd und was vertraut ist, hält Fuchs fest, sie hätte sich allerdings gewünscht, dass sich Grimbert weniger den Wiederholungen der Unterschiede zwischen Mensch und Tier widmet und mehr dem "Ringen um Verständnis", das sie mit feiner Sprache und auch Momenten der Sprachlosigkeit deutlich macht, resümiert die Kritikerin.
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