Siegfried Lenz

Dringende Durchsage

Erzählungen
Cover: Dringende Durchsage
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2024
ISBN 9783455018233
Gebunden, 192 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Entdeckungen im literarischen Nachlass von Siegfried Lenz haben mehrfach für Furore gesorgt: 2016 erschien mit mehr als 60 Jahren Verspätung sein zweiter Roman Der Überläufer und 2021 das Märchen Florian, der Karpfen. Dringende Durchsage versammelt nun unbekannte Erzählungen. Sie bieten Einblicke in Lenz' literarische Werkstatt und zeigen ihn als experimentellen und humorvollen jungen Schriftsteller am Beginn einer großen Karriere.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.01.2025

Insgesamt ist diese Sammlung bisher unveröffentlichter Erzählungen Siegfried Lenz' eher etwas für besonders treue Fans des Autors, findet Rezensent Volker Weidermann. Viele der hier versammelten Texte wurden aus gutem Grund bisher zurückgehalten, mutmaßt er, das trifft auch auf Texte zu, in denen Lenz Biografisches verarbeitet. Eine Erzählung allerdings sticht laut Wiedermann positiv heraus. Sie heißt "Wie Radikalität entsteht" und handelt von jungen Aktivisten, die eine Podiumsdiskussion zum Thema Umweltschutz an der Nordsee zum Entgleisen bringen. Weidermann liest diesen Text als eine Art heimliches Gründungsdokument der Letzten Generation, es geht um die Frage, wann Gewalt gegen falsches Regierungshandeln als Notwehr legitim ist. Weidermann ist beeindruckt davon, wie klar Lenz sich auf die Seite der Jugend schlägt - vielleicht auch eine Botschaft an Lenz' Freund Helmut Schmidt, mutmaßt der nicht vom Buch insgesamt, aber doch von dieser einen Erzählung beeindruckte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.11.2024

Allzu dringend sind die Durchsagen, die dieser Band versammelt, zwar nicht, findet Rezensent Hilmar Klute, aber insgesamt fühlt er sich durchaus wohl in diesem Erzählband, der bisher Unveröffentlichtes aus dem Nachlass Siegfried Lenz' versammelt. Das Buch enthält Erzählungen aus allen Karrierephasen, erfahren wir, Klute hebt unter anderem einige frühe Geschichten hervor, die im Stil Heinrich Bölls gehalten sind, aber schon Lenz' eigenen, lyrischeren Stil erahnen lassen. Durchaus spielerisch greift Lenz diverse Formen auf in den hier versammelten Texten, mal scheint Kafka als Vorbild durch, beschreibt Klute, mal Carlo Manzoni, mal gar Georges Simenon. Auch Themen wie historische Schuld und Verantwortung tauchen in diesem Werk offensichtlich schon früh auf, so Klute, wobei sie anfangs noch oft parabelhaft verpackt werden. Abschließend geht Klute noch auf eine späte, starke Erzählung namens "Wie Radikalität entsteht" ein, eine Auseinandersetzung mit radikalen Umweltschützern, die ihn an die Aufregung um gegenwärtige Ökoaktivisten erinnert.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 05.10.2024

Recht ambivalent beurteilt Rezensent Jörg Magenau die hier versammelten Arbeiten aus dem Frühwerk Siegfried Lenz'. Die größtenteils den 1950ern entstammenden Texte zeichnen, lesen wir, das Bild eines akribischen Arbeiters, der freilich noch auf der Suche nach seinem literarischen Stil ist. Karg und in kurzen Sätzen, somit ganz und gar nicht Lenz-artig kommen diese Texte daher, beschreibt Magenau, näher geht er unter anderem auf die Erzählung "An der Deichsel" ein, die, vermutet er, an Kafka geschult ist, aber lehrstückmäßig auf eine platte politische Pointe hinaus läuft. Ganz anders, freut sich der Rezensent, liest sich etwa die Erzählung "Wie Radikalität entsteht" aus dem Jahr 1988, die eine Podiumsdiskussion über Umweltschäden im Meer, sowie anschließende Auseinandersetzungen im Zuge eines Protestmarsches beschreibt. Protokollarisch nüchtern und doch empathisch zeichnet Lenz Magenau zufolge das Bild einer Protestbewegung, bei der man sofort an die "Letzte Generation" denken muss. Insofern, meint Magenau, offenbart auch dieser Band, der nicht nur Relevantes enthält, Lenz als den menschenfreundlichen Pragmatiker, der er war.

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