Herausgegeben von Sokratis Georgiadis. Eine "neue Geschichte" schwebte dem Schweizer Kunsthistoriker und Herold der modernen Architektur Sigfried Giedion (1888-1968) vor, als er 1929 die Arbeit an einem ambitionierten Buchprojekt aufnahm. Es behandelte die historische Spanne zwischen etwa 1750 und dem unmittelbaren Jetzt der 1930er Jahre. Mehrbändig angelegt und multidisziplinär ausgerichtet sollte es als zeitdiagnostisches Dokument und als Orientierungshilfe innerhalb einer als chaotisch empfundenen Gegenwart dienen. Aus verschiedenen Gründen wurde es 1938 unterbrochen und blieb unvollendet. Das zurückgelassene Material - eine Fülle von Texten, Bildern und Aufzeichnungen - gruppiert sich um drei grosse zivilisatorische Themen: Industrialisierung, soziale Fürsorge, moderner Kunstbetrieb. Das heterogene Konvolut wurde in einem handlichen Buch ediert. Es gewährt neue, oft unerwartete Einsichten in Giedions historische Agenda jenseits seiner bekannten Publikationen und einen faszinierenden Einblick in sein Geschichtslabor.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.2023
Ein erstaunliches Buchprojekt liegt Rezensent Bernd Stiegler mit dieser Edition der Fragment-gebliebenen Aufzeichnungen Sigfried Giedions vor. In einem geradezu "titanischen" Forschungsprojekt wollte Giedion in den Jahren 1929-1938 eine Geschichte der "Formung des heutigen Menschen" schreiben, so der Kritiker. Ähnlich dem Passagen-Projekt Walter Benjamins ging es ihm darum, erläutert Stiegler, bereits existierendes Material in einer Zitatmontage neu anzuordnen, um anhand der Bereiche Technik, Ethik und Ästhetik die "Basis des modernen Menschen" zu ergründen. Die Neuedition versammelt nur einen Teil der riesigen Textauswahl Giedions, der das Projekt nach seinem Ruf an die Harvard-Uni nicht weiterverfolgte. Der Rest wird in kenntnisreichen Texten von den Editoren zusammengefasst, freut sich Stiegler, auch die Entstehung und Gestaltung des Projekts werden umfassend erläutert. Giedions kulturkritische Hauptthese, die Einheit von "Gefühl und Denken" sei seit der Industrialisierung entzweit, ist zwar nicht sehr originell, meint Stiegler, um so interessanter sind die "eigenwillige" Materialauswahl und ihr Arrangement.
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