Simon Hall

1956

Welt im Aufstand
Cover: 1956
Klett-Cotta Verlag, Suttgart 2016
ISBN 9783608948592
Gebunden, 479 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Susanne Held. 1956 war eines der außergewöhnlichsten Jahre des 20. Jahrhunderts: Rund um den Globus erhoben die Menschen ihre Stimmen, um 'Freiheit' zu fordern. Simon Hall schildert die turbulenten Ereignisse dieses Jahres und entfaltet zugleich das große Panorama einer Zeitenwende. Wichtige Ereignisse waren beispielsweise: In Montgomery (Alabama) erzwingen schwarze Amerikaner unter Martin Luther King die Aufhebung der Rassentrennung. 20. Parteitag der KPdSU: Geheimrede Chruschtschows, die mit ihrer Kritik an Stalin die Einheit des Ostblocks gefährdete. Suez-Krise: britisch-französisch-israelischer Angriff auf Ägypten. Tunesien und Marokko werden in die Unabhängigkeit entlassen. Kampf gegen die Apartheid in Südafrika: Die Freiheits-Charta für ein nichtrassistisches demokratisches Südafrika wird verabschiedet. Die Jugend rebelliert gegen überkommene Werte, neue Formen der Jugendkultur entstehen; -Freiheitsbewegungen im Ostblock: der polnische 'Frühling im Oktober' (Generalstreik in Posen). Ungarnaufstand. Landung der Rebellen unter Fidel Castro und Che Guevara auf Kuba.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.05.2016

Etikettenschwindel!, ruft Rainer Stephan angesichts von Simon Halls Versuch, mit dem Jahr 1956 ein bisher unerkanntes Revolutionsjahr zu etablieren. Mag ja stimmen, meint Stephan, dass Elvis und Martin Luther King die Massen mobilisierten, dass Tunesien und Marokko unabhängig wurden und Algerien seine blutigste Zeit erlebte, dass Chruschtschow mit dem Stalinkult brach und Nasser sein Ägypten von westlichen Einflüssen zu befreien versuchte. Und? Nicht nur, dass viele Ereignisse des Jahres lange vorher vorbereitet wurden, der Rezensent kann vor allem keine Chronologie oder einen sonstigen Zusammenhang dieser Aufbruchsmomente erkennen. Eben dies aber scheint der britische Historiker suggerieren zu wollen, meint Stephan. Belege für diesen Kontext kann der Rezensent im Buch allerdings beim besten Willen nicht entdecken.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.04.2016

Rezensent Thomas Speckmann liest Simon Halls Erinnerung an das Jahr 1956 und seine Umwälzungen mit großem Interesse. Die Forschungen des Historikers auf dem Gebiet der Bürgerrechtsbewegungen in den USA geben dem Buch laut Speckmann Tiefe. Wenn der Autor Rassentrennung, Jugendkultur und Apartheid thematisiert und in bester angelsächsischer Tradition einen beachtlichen erzählerischen Bogen zwischen den verschiedenen Schauplätzen schlägt, erkennt der Rezensent die Parallelen zu heutigen dramatischen Ereignissen in Tunesien, Ägypten oder im Sudan. Nur wenn der Autor das Jahr 1956 in den Rang der revolutionären Jahre 1789 oder 1848 erheben möchte, hat der Rezensent so seine Zweifel.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2016

Rezensent Simon Strauss kann dem Trend zur Annalistik nicht gerade viel abgewinnen, insbesondere nicht, wenn das geschilderte Jahr zum "künstlichen Epochenberg" hochgeschrieben wird. Eben das wirft der Kritiker dem Historiker Simon Hall vor, der sich hier mit geradezu epischer Detailtreue des Jahres 1956 annimmt: Martin Luther King und der berühmte Busboykott werden hier ebenso abgearbeitet wie die antikoloniale Gewalt in Algerien oder Chruschtschows "Geheimrede" über die Schrecken des Stalin-Regimes und der Ausbruch des antisowjetischen Widerstands. Leider verzichtet Hall dabei aber sowohl auf eine einordnende Zusammenfassung als auch auf mutige Thesen und Urteile, klagt der Kritiker, der dem Buch dennoch eine literarisch anspruchsvolle Form attestiert und eine "mitreißende" Lektüre verdankt.

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