Gerhard Wettig, einer der besten Kenner der sowjetischen Deutschlandpolitik nach 1945, führt die Berlin-Krise von 1958-63 auf eine einsame Entscheidung Chruschtschows zurück, der daher die Zentralfigur seiner Darstellung ist. Von hier aus untersucht Wettig die sowjetische Berlin-Politik, wobei der Antagonismus mit den Westmächten - vor allem mit den USA - im Vordergrund steht, während die west- und ostdeutschen Akteure Anhängsel der beiden Hauptmächte waren. Die Auswertung umfassender Quellen aus Beständen russischer und deutscher Archive ergibt, dass das Denken und Handeln Chruschtschows auf weiten Strecken von ganz anderen Vorstellungen bestimmt wurde, als der Westen seinerzeit angenommen hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2007
Gelungen findet Rezensent Wilfried Loth diese Arbeit über die Berlin-Krise von Gerhard Wettig. Über die Frage, was Chruschtschow mit dem Berlin-Ultimatum bezweckte, wurde nach seinen Angaben seit der Öffnung der östlichen Archive intensiv geforscht. Er attestiert Wettig, diese Forschungen weiterzuführen und dank neuer Quellenfunde zu einer "Präzisierung des Bildes von der zweiten Berlin-Krise" zu kommen. Ausführlich schildert Loth die Hintergründe der Krise sowie die Absichten Chruschtschows, der vor allem den Strom der Flüchtlinge stoppen, die Anerkennung der vollen Souveränität der DDR besiegeln und mit einem Friedensvertrag beide deutsche Staaten aus ihren Militärbündnissen lösen wollte. Dem Autor gelingt in Loths Augen ein "überzeugendes Bild" der Vorgehensweise des "eigenwilligen Stalin-Nachfolgers". Etwas unterbelichtet bleiben für ihn allerdings die defensiven Aspekte der Kampagne Chruschtschows.
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