Simon Strauß

Von Mommsen zu Gelzer?

Die Konzeption römisch-republikanischer Gesellschaft in "Staatsrecht" und "Nobilität". Diss.
Cover: Von Mommsen zu Gelzer?
Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2017
ISBN 9783515118514
Gebunden, 262 Seiten, 57,00 EUR

Klappentext

Theodor Mommsen ist eine der Zentralfiguren althistorischer Wissenschaftsgeschichte. Für lange Zeit stand jede Beschäftigung mit Rom in seinem Schatten. 1912 veröffentlichte der junge Schweizer Matthias Gelzer jedoch eine Habilitationsschrift, in der er sich im Namen einer fortschrittlichen "Gesellschaftshistorie" radikal vom "Staatsrechtler" Mommsen absetzte. Gelzers aufmüpfige Polemik bot späteren Forschern wiederum einen willkommenen Anlass, um sich vom gefürchteten Übervater loszusagen. Mit dem Verweis auf Gelzer konnte man sich auf die progressive Seite stellen und Mommsen zu den Akten legen. Simon Strauß stellt dieses Vorgehen nun entschieden in Frage und argumentiert, dass in Mommsens Werk - gerade auch in seinem 1871-1888 erschienenen "Römischen Staatsrecht" - schon viele gesellschaftsgeschichtliche Aspekte behandelt werden. Gelzers Leistungen lassen sich in diesem Licht betrachtet durchaus relativieren. Strauß weckt Zweifel an der Selbstdeutung der althistorischen Forschungsgeschichte und bewertet die Stellung Theodor Mommsens neu.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.11.2017

Rezensent Gustav Seibt erkennt Theodor Mommsens Aktualität mit dieser Dissertation des FAZ-Kollegen Simon Strauß, die in erster Linie Mommsens "Römisches Staatsrecht" auf den sozialgeschichtlichen Gehalt durchsucht. Bei Strauß lernt er, dass antike Begriffe wie "Civitas", oder "Plebejer" für Mommsen sowohl gesellschaftliche als auch politische Begriffe darstellten und wie Mommsen dergleichen mit Akribie systematisierte. Mommsens Staatsbegriff kommt der antiken Realität sehr nahe, meint Seibt und freut sich, den Historiker hier ins Recht gesetzt zu sehen als einen, der von Matthias Gelzer, der Mommsen mangelndes Gesellschaftsbewusstsein vorgeworfen hatte, eher ergänzt wurde, nicht überholt. Eine "Klarstellung", die Seibt der Fachwelt zur Lektüre empfiehlt.

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