Sonja Eismann

Candy Girls

Sexismus in der Musikindustrie
Cover: Candy Girls
Edition Nautilus, Hamburg 2025
ISBN 9783960544722
Kartoniert, 200 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Junge Frauen und ihre Körper - selbstverständlich normschön, jugendlich, sexy - sind das Rohmaterial, aus dem die Musikindustrie und die Logik des Pop gemacht sind. Sie werden in Songtexten angeschmachtet und fetischisiert, beschimpft und degradiert, sie dienen auf der Bühne und im Backstage als Projektionsfläche. Weibliche Fans werden als kreischende Masse oder willenlose Groupies betrachtet, nicht fähig zu einem ernsthaften Interesse an der Musik oder einem ernstzunehmenden Geschmack. Und wenn eine Frau als Künstlerin auftritt, dann ist sie zunächst eine Frau und erst dann eine Musikerin, dann ist ihr Körper entweder zu dick, zu dünn, zu perfekt oder sonst wie falsch, dann ist sie entweder Hure oder Heilige, und dann - plötzlich - ist sie sowieso zu alt.In einer so wütenden wie lehrreichen Mischung aus Analyse und Abrechnung zeigt Sonja Eismann, wie tief Sexismus und Ageismus in die Musikindustrie eingeschrieben sind, wie wir als Konsument*innen den male gaze erlernt und verinnerlicht haben, wie Missbrauch und Pädosexualität in fast allen Szenen und Genres akzeptiert werden. Sie schreibt über alte Männer, die minderjährige Sängerinnen sexualisierte Songs performen lassen, über die scheinbare Unmöglichkeit eines richtigen Alterns, sexistischen Musikjournalismus, Superstars wie Taylor Swift, Beyoncé oder Peaches, über Feminizide in Songlyrics - und natürlich über Beispiele der selbstbewussten Aneignung, des Widerstands, der wütenden Mittelfinger gegen das Musikpatriarchat.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.11.2025

Einen ungeschönten Blick auf den Sexismus der Musikbranche wirft Sonja Eismann hier laut Rezensentin Helene Slancar. Die Mitgründerin des Missy-Magazins arbeitet sich unter anderem an Songtexten - von den Beatles bis Johnny Cash - ab, die männliche Rachefantasien an Frauen aufgreifen. Die Popbranche, stellt Eismann klar, benachteiligt Frauen nach wie vor in struktureller Hinsicht, weibliche Superstars wie Taylor Swift ändern daran wenig, weil das Problem tiefer sitzt: Frauen bleiben im Pop manipulierbare Sexobjekte, ihr Körper steht, anders als bei den Männern, im Vordergrund, nicht die Musik, liest die Kritikerin. Das Problem setzt sich fort, wenn man auf die Seite der Fans blickt, weibliche Fans werden medial oft schlecht gemacht. Ein Problem sei, dass junge Frauen sich, anders als junge Männer, nicht selbst als erfolgreiche Stars imaginieren könnten. Alles in allem scheint die Rezensentin mit dieser Analyse einverstanden zu sein, kritisch merkt sie lediglich an, dass positive Gegenbeispiele bei Eismann zu kurz kommen.

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