Er stand im Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik wie kein zweiter Topmanager in diesem Lande. Josef Ackermann, bis 2012 Vorstandschef der Deutschen Bank, hat turbulente Jahre hinter sich: Sein Victory-Zeichen und das Renditeziel von 25 Prozent machten ihn für viele zum Buhmann der Nation. Auch seine Rolle bei der Finanzkrise ist umstritten: Hat er die Misere mit verursacht oder das Schlimmste verhindern können und bei der Überwindung entscheidend mitgeholfen? Stefan Baron, Kommunikationschef der Deutschen Bank während der Krisenjahre, schildert, wie Ackermann sich und seine Haltung unter dem Eindruck des Jahrhundertereignisses verändert hat.
Dass Josef Ackermann wiederholt betont hat, sein ehemaliger Kommunikationschef Stefan Baron habe die Biografie über ihn mit "vollständiger Freiheit" geschrieben und das Buch sei "nicht autorisiert", hält Ulrike Herrmann für einen (schl)echten Witz. Das Buch ist so zahnlos, dass es da überhaupt nichts zu autorisieren gibt, verrät die Rezensentin. Die einzigen Skandale, die Baron behandelt, sind die, die ohnehin bekannt sind: die windigen Hypothekengeschäfte in den USA, die Collateralized Debt Obligations (CDO), die Manipulationen am Leitzins Libor, die Zinswetten, fasst Herrmann zusammen. Dazu leugnet der Autor, dass Ackermann von diesen Geschäften oder von der nahenden Finanzkrise etwas gewusst habe - behält sich aber trotzdem vor, ihn für das frühzeitige Abstoßen schlechter Papiere zu loben, staunt die Rezensentin. Auch den Wandel des Bankmanns zum Staatsmann sieht Baron in rosarot, erklärt Herrmann, er adelt unkritisch eklatanten Branchen-Lobbyismus zur staatsmännischen Glanzleistung. Das ganze Buch ist ein "wahnwitziges Dokument der Selbstüberschätzung", verkündet die Rezensentin wütend.
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