Am Beginn des 21. Jahrhunderts ruhten die Hoffnungen auf Veränderungen wieder einmal auf Lateinamerika. Die dortige Linkswende markierte das "Ende des Endes der Geschichte" und in Venezuela wurde unter Präsident Hugo Chávez der Sozialismus wieder salonfähig. Mit
dem Rückenwind kräftig steigender Rohstoffpreise gelangen der Bolivarischen Revolution von Chávez nicht nur vielbeachtete soziale Entwicklungserfolge, sondern auch die Wirtschaft erreichte hohe Wachstumsraten. Der karibische Sozialismus schien sich positiv von den
gescheiterten Modellen des "real existierenden Sozialismus" abzuheben.
Doch bald wurden die Erfolgsmeldungen spärlicher und Nachrichten von Verschwendung, Korruption sowie zunehmenden autoritären Tendenzen untergruben den Modellcharakter. Spätestens mit dem Tod des comandante im März 2013 und dem Einbruch der Erdölpreise
begann der Niedergang der Bolivarischen Revolution.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2019
Tim Niendorf lässt sich von Stefan Peters noch einmal das Desaster der Bolivarischen Revolution in Venezuela vor Augen führen. Als Bilanz des Grauens erscheint ihm, was mit Hugo Chavez und der Abhängigkeit vom Erdöl begann und sich dann durch eine fehlerhafte Verteilung der Erlöse aus dem Öl weiter aufs Katastrophale zu bewegte. Diese Entwicklung kann der Autor dem Rezensenten überzeugend darstellen. Weitere Mängel, die der Band Niendorf aufzeigt: Das Versäumnis, höhere Steuern einzuführen, die Raffinerien in Schuss zu halten und den staatlichen Ölkonzern mit Fachpersonal statt mit Kuschern zu besetzen.
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