Das Regime des Generals Pinochet in Chile gilt noch heute als Sinnbild für die grausamen Militärdiktaturen in Lateinamerika. Durch die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen hat der Diktator der chilenischen Demokratie ein schwieriges Erbe hinterlassen. Die chilenische Vergangenheitspolitik sorgte aufgrund der beispielhaften Wahrheitskommissionen und der Verhaftung Pinochets in London international für großes Aufsehen. Aus der detaillierten Analyse der chilenischen Entwicklung lassen sich auch Lektionen für die europäische Diskussion um Vergangenheitspolitik und Diktaturüberwindung gewinnen. Stephan Ruderer analysiert aus zeithistorischer Perspektive den Umgang mit der Vergangenheit im demokratischen Chile und liefert eine detaillierte Interpretation der chilenischen Vergangenheitspolitik und ihrer Wechselwirkungen mit dem Demokratisierungsprozess. Gegenstand der Untersuchung sind dabei alle relevanten Maßnahmen auf den Gebieten der Wahrheitsfindung, der transitional justice, der Entschädigungsleistungen, der symbolischen Maßnahmen und des öffentlichen Diskurses.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.03.2011
Lobend hat Rezensent Peter Burghardt diese Studie über das "Erbe Pinochets" von Stephan Ruderer aufgenommen. Er bescheinigt dem Autor, die chilenische Vergangenheitspolitik vom Ende der Diktatur im März 1990 bis zum Tod Pinochets im Jahr 2006 eingehend zu analysieren. Deutlich wird für ihn, wie schwer sich Chile auch heute noch mit dem Erbe der grausamen Militärdiktatur tut: Tausende von Menschen wurden ermordet und fast dreißigtausend gefoltert, ein Klima der Angst herrschte, der Neoliberalismus expandierte und soziale Ungleichheit explodierte. Die Darstellung Ruderers scheint Burghardt zwar ein wenig "akademisch", aber stets "überzeugend". Und auch wenn der aktuelle chilenische Präsident Pinera im Buch nicht mehr vorkommt findet der Rezensent es überaus spannend.
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