Die öffentliche Erinnerung an Flucht und Vertreibung war in der Bundesrepublik nie ein Tabu. Das zeigt die Untersuchung von über 1.500 Vertriebenendenkmälern und ihrer vielfältigen Funktionszusammenhänge. In der deutschen Denkmallandschaft hatte und hat die Erinnerung an Flucht und Vertreibung einen festen Platz. Zahlreiche Gedenkorte verschaffen ihr eine dauerhafte Präsenz im öffentlichen Raum. Stephan Scholz analysiert die räumliche Verteilung und zeitlichen Konjunkturen, die gewählten Standorte, Formen, Motive und Inschriften der deutschen Vertriebenendenkmäler. Im Zentrum stehen dabei die beabsichtigten und die tatsächlich realisierten Funktionen im Zusammenhang von Verlustbewältigung, Integration, Deutschlandpolitik und Geschichtskultur.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.07.2015
Laut Michael Jeismann könnte das Buch von Stephan Scholz einen Beitrag dazu leisten, politisches Gedenken zurück zum Leid des Einzelnen zu leiten und konkurrierende Ansprüche von Verbänden und Staaten zu relativieren. Fesselnd und wichtig findet Jeismann die Studie über symbolische Repräsentation kollektiven Leids aufgrund ihrer gründlichen Recherchebasis und ihrer Beschreibungsgenauigkeit betreffend die Funktion von Denkmalen und die Reflexion geschichtspolitischer Kontexte. Mit Gedenktabus räumt der Autor auf, meint Jeismann, und er zeigt, wie revisionistisches Denken Vertriebenenanliegen diskreditierte. Denkmalsinitiativen in Polen und Tschechien stellt der Band laut Rezensent vor und erörtert die Rolle Berlins als zentraler Gedenkort.
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