Stephanie Zloch

Das Wissen der Einwanderungsgesellschaft

Migration und Bildung in Deutschland 1945-2000
Cover: Das Wissen der Einwanderungsgesellschaft
Wallstein Verlag, Göttingen 2023
ISBN 9783835354913
Gebunden, 676 Seiten, 54,00 EUR

Klappentext

Die Verknüpfung von Wissens- und Migrationsgeschichte zeichnet ein neues Bild vom Einwanderungsland Deutschland seit 1945. Migration verändert den common sense darüber, was in einer Gesellschaft als Wissen anerkannt wird. Stephanie Zloch untersucht für die deutsche Einwanderungsgesellschaft, welche Impulse Migrationsprozesse für den Wandel von Wissen gaben und welche möglichen Konkurrenzsituationen und Konflikte in Schule und Bildung das Ringen um "neues" Wissen mit sich brachte. In einer entangled history unterschiedlicher Migrationsbewegungen nach 1945 werden die Wege des Wissens sichtbar: von den Zwangsmigrationen im Gefolge des Zweiten Weltkriegs, den DP-Camps der Nachkriegszeit und den kommunistischen Exilgruppen in der DDR über "Sonderkurse" und Heimerziehung für über- und ausgesiedelte Jugendliche aus Mittel- und Osteuropa während des Kalten Kriegs bis hin zu internationalen Vorbereitungsklassen, muttersprachlichem Unterricht und islamischem Religions-Unterricht für Arbeitsmigrant:innen und Asylsuchende. Die Autorin stützt sich auf zahlreiche neu erschlossene Quellen. Mit ihrer Studie regt sie dazu an, über Migration und ihre Wirkungen neu nachzudenken und kommt zu einer im Grundsatz optimistische Prognose für Einwanderungsgesellschaften in Europa.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.11.2023

Stephanie Zlochs Buch schließt laut Rezensent Matthias Arning eine Lücke in der Migrationsforschung: Die Wissensbestände von Migranten spielen hier im Allgemeinen kaum eine Rolle. Zloch widmet sich gleich drei Aspekten des Themenkomplexes Wissen und Migration, lernen wir, neben dem Wissen der Migranten geht es auch um das Wissen der deutschen Verwaltung sowie um das der Forschung. Die Studie, die nach dem Zweiten Weltkrieg ansetzt und im Jahr 2000 endet, beschäftigt sich, zeichnet Arning nach, mit unterschiedlichen Migrantengruppen, von Vertriebenen bis Arbeitsmigranten. Insgesamt beschreibt die Studie Migration als etwas Bereicherndes, heißt es über diese, in die umfangreiche Recherchen in diversen Archiven eingeflossen sind. Unter anderem zeigt Zloch, führt Arning aus, wie die Frage, inwiefern Migranten das aus den Herkunftsländern mitgebrachte Wissen pflegen sollen, oft unterschiedlich beantwortet wurde.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2023

Zumindest teilweise löst sich Stephanie Zlochs Studie vom normativen Anspruch der Migrationsforschung, so Rezensent Peter Hoeres, dem letzterer offensichtlich ein Dorn im Auge ist. Ein differenzierterer Blick auf Migration, der nicht alle entstehenden Probleme der Mehrheitsgesellschaft anlastet, entstehe dadurch, dass die Historikerin verschiedene Gruppen von Einwanderern in den Blick nehme, unter anderem auch Vertriebene und "Displaced Persons" nach dem Zweiten Weltkrieg. So zeigt Zloch laut Hoeres auf, wie unterschiedliche Wissensbestände von Einwanderern unterschiedlich behandelt werden und stellt außerdem klar, dass weder Deutschland noch die Herkunftsländer je in der Lage waren, den Migrationsprozess umfassend zu kontrollieren. Anerkanntes und ausgegrenztes Wissen bedingen sich dabei gegenseitig, lernt Hoeres aus dem Buch, dessen Sprache ihm zu sehr von konstruktivistischem, systemtheoretischem und inklusivem Vokabular geprägt ist. Auch, dass gerade Rassismus oft importiert wird, kommt seiner Ansicht nach zu selten zur Sprache.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.09.2023

Endlich ein Standardwerk zum Thema, freut sich Rezensent Rudolf Walther. Stephanie Zlochs Buch über bildungspolitische Fragen in Bezug auf Migration in Deutschland betrachtet drei Wissensdimensionen, führt der Rezensent aus. Neben Verwaltungswissen und sozialwissenschaftlichem Wissen werde auch die mitgebrachten Kenntnisse der Migranten selbst reflektiert. Extrem materialreich ist die Studie, so Walther, auf der methodischen Seite setze sie auf Luhmann, Bourdieu und Koselleck, wobei die Relevanz dieser Autoren für Zlochs Ansatz nicht immer deutlich werde. Das Problem des Wissens wird von der Autorin jedoch ausgesprochen klug auseinandergenommen, lobt der Rezensent, der entlang Zlochs Argumentation den regional unterschiedlichen Umgang mit den damals sogenannten Gastarbeiterkindern nachzeichnet. Konflikte zwischen der BRD und den Herkunftsländern werden laut Walther ebenfalls behandelt und auch Einwanderer in der DDR finden Erwähnung. Ein "starkes Stück historischer Aufklärung" ist Zloch gelungen, so das Fazit.

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