Die Studie fächert erstmals die Entwicklung der Leipziger Buchmesse von 1945 bis 1990 auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand die Messe ihre Rolle im planwirtschaftlichen Literaturbetrieb. Die DDR nutzte sie als Leistungsschau, um Bücher und Kultur vor internationaler Kulisse in Szene zu setzen. Dabei diente das Frankfurter Pendant als Maßstab. Für die Lesenden in der Diktatur bot die Messe einzigartigen Zugang zu westlichen Medieninhalten und war Ort des legendären Messeklaus. Dieser Offenheit begegneten die Beteiligten mit Zensur und Überwachung durch die Staatssicherheit. Durch die Messe wurde Leipzig zu einem Knotenpunkt des deutsch-deutschen Kulturaustauschs. Die Verlage der Bundesrepublik suchten den Kontakt und wirkten als Schrittmacher des innerdeutschen Literaturtransfers. Mit Blick auf die konfliktreiche Beziehung beider Börsenvereine leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Entspannung zwischen Ost und West. Patricia F. Blume rekonstruiert die Entstehung der Leipziger Buchmesse, ihre Funktionen und ihren Wandel. Dabei verbindet sie Buchhandelsgeschichte mit Wirtschafts-, Alltags-, Kultur- und Rezeptionsgeschichte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.03.2025
Rezensent Mark Lehmstedt kritisiert einzig das "Durchgendern" des Bandes von Patricia F. Blume über die Geschichte der Leipziger Buchmesse. Davon abgesehen bietet ihm die Autorin eine faktensatte, mit Statistiken, Grafiken und Fotos ausgestattete souveräne Darstellung, ein Grundlagenwerk, so Lehmstedt. Leser erhalten laut Lehmstedt Einblicke in die Auseinandersetzungen zwischen Tradition und Erneuerung, Politik und Ökonomie, Binnen- und Außenwirtschaft rund um die Messe. Blume zeigt außerdem, inwieweit Politikgeschehen, wie Biermanns Ausbürgerung oder Ungarn 1956, sich im Messegeschehen widerspiegelte und wie die Mangelwirtschaft ostdeutschen Lesern zu schaffen machte, so der Rezensent.
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